Ab jetzt spricht Michel Friedman über Oper. Gleich eine ganze Gesprächsreihe bekommt er in Frankfurt. Eine gute Idee. Als Anwalt, Publizist, Philosoph und nicht zuletzt auch Immobilienexperte verfügt er über multiple Kompetenzen, um diesem brüchigen alten Kraftwerk der Gefühle wiedebr auf die Sprünge zu helfen. Friedman sagt: »Opernstoffe verhandeln Themen, die uns in der Gegenwart […]
Schlagwort: Oper
Betend, berstend
Manchmal stimmt einen die Wiederbegegnung nach längerer Zeit milder gegenüber einer Inszenierung, die einen seinerzeit beim Kennenlernen mopste. So ist es mir zum Beispiel mit Kirsten Harms’ fünfzehn Jahre alter Tannhäuser-Regie ergangen, die im Rahmen einer Gesamt-Wagner-Durchmessung (einschließlich inhärentem Dirigenten-Casting) an der Deutschen Oper Berlin wiederzusehen ist. Mein früherer Grimm über Unzulänglichkeiten und Zumutungen, etwa […]
»Zu solchen Marathon-Phasen kommt es häufiger, als man glaubt, gerade an ›mittelgroßen‹ Opernhäusern.«
Lena Kutzner kommt aus Hannover. An der dortigen Musikhochschule studierte sie Gesang bei einer begehrten Pädagogin: Carol Richardson-Smith. Vor zehn Jahren wurde Kutzner Ensemblemitglied am Theater Neustrelitz. Dort habe ich sie 2016 gehört, damals noch als Nicklausse in Hoffmanns Erzählungen – eine Mezzo-Rolle. Inzwischen singt Kutzner die wichtigsten jugendlich-dramatischen Hauptrollen am Staatstheater Meiningen, zuletzt Elisabeth […]
»Viele Sängerinnen denken, sie wären die einzigen mit solchen Problemen.«
»Zyklusbasiertes Training« nennt man es im Sport, wenn man beim Trainieren berücksichtigt, dass sich körperliche Veränderungen während des Menstruationszyklus auf die Leistungsfähigkeit der Athletinnen auswirken – und die Einheiten entsprechend plant. Mittlerweile empfehlen Lifestylemagazine wie Tageszeitungen, Öffentlich-Rechtliche und Krankenkassen einen solchen Ansatz auch für Hobbysportlerinnen. Die Grundlage hierfür bilden zahlreiche Studien, unter anderem von Sportwissenschafts-Professorin […]
Neuköllner Oratorium
Gegensätzliche Welten in Neukölln: Während in der Sonnenallee allnächtliche Ausschreitungen inklusive antisemitischer Exzesse viele erschrecken, scheinen in der parallel verlaufenden Karl-Marx-Straße am Donnerstagabend solche Konflikte weit entfernt. In der Neuköllner Oper werden Kompositionen von Johann Sebastian Bach aus Kantaten, Motetten, Passionen herausgelöst, um daraus eine Art Oper zu backen. Bach, der ja Parodist oder Kontrafakturist im […]
Vorgefühlt
Der österreichische Regisseur Michael Haneke hält nichts von Steven Spielbergs Holocaust-Drama Schindlers Liste (1993), weil hier mit unzulässigen Effekten gearbeitet werde: »Sie kennen doch die Szene, wo man für ein paar Sekunden nicht weiß, ob aus den Duschköpfen Wasser oder Gas kommt. Das geht einfach nicht, das ist illegitim, eine Frage des Taktes und des […]
Wahnwärter Thielemann?
Berlin hat ein Faible für tote Pferde. Gerade vollführt der neue CDU-Senat einen verkehrspolitischen Rollback, in dem unter der Chimärenparole des »fairen Miteinanders« die totale Dominanz des privaten Automobils betoniert wird: Weil die Stadt von tapsigen Grünen (Stichwort Friedrichstraße) genervt war, pfeift man auf die Erfahrungen und den Mut von Amsterdam und Kopenhagen, Paris und […]
Als Erstes sterben die Kinder
Der Hangar I auf dem Flughafen Berlin Tempelhof ist fast so groß wie ein Fußballfeld. Durchs Nadelöhr einer kleinen Seitentür, barbierosa ausgeleuchtet, sickert das Publikum ein, was einen gut gelaunten, kleinen Stau erzeugt. »Viel Spaß!« wünschen die Kartenabreißerinnen jedem, den sie passieren lassen. Was in keinem Verhältnis zu dem steht, was der Programmzettel verspricht. Dort […]
»Ich wollte, dass man ihr zuhört.«
Richard Strauss’ Oper Die Frau ohne Schatten (Libretto: Hugo von Hofmannsthal, uraufgeführt 1919) ist ein ziemlicher Brocken, in sämtlicher Hinsicht: Die schwer nachvollziehbare Handlung ist gespickt von Magie, Mordfantasien, Naturgewalten und Nicht-Kommunikation innerhalb von Beziehungen, die Besetzung im Orchester ist nicht nur gewaltig, sondern auch noch ergänzt durch Exoten wie Celesta, Glasharmonika und allerlei Schlagwerk, […]
Riesenpferdig
Zu Beginn dieser Trojaner ist es wie bei der ersten Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber Ende August in den USA: Die Hauptperson beherrscht den Raum durch Abwesenheit, quasi als unsichtbares Riesenpferd im Raum. Aber sogleich schäme ich mich für diese gänzlich unwürdige Assoziation! Erstens, weil Donald Trump ja in seiner ganzen monströsen Kleinlichkeit wesenhaft untertrojanisch ist. […]
