Im Jahr 2000 unternahm Il Giardino Armonico eine Viaggio musicale, eine musikalische Reise durch Norditalien. Das Label Teldec Classics war von der Idee des Originalklang-Ensembles, ein Album mit Instrumentalwerken Monteverdis und von unbekannten italienischen Komponisten seiner Zeit wie Giovanni Battista Riccio, Salomone Rossi, Tarquinio Merula und Dario Castello aufzunehmen, zunächst wenig begeistert. Doch wider Erwarten […]
Kategorie: Interview
»Es ist nicht selbstverständlich, dass taube und hörende Künstlerinnen zusammenarbeiten.«
Körperlichkeit, Gestik und Mimik sind als Ausdrucksformen in der Neuen Musik seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken, von einer »performativen Wende« ist die Rede. Selten wird diese aber so ernst genommen wie beim ensemble in transition: In der Besetzung Querflöte (Desirée Hall), Cello (Larissa Nagel), Sopran (Maren Schwier) und einer tauben Gebärdensolistin (Kassandra Wedel) schafft das […]
»Man muss oft gar nicht so viel kaputt machen, um etwas zu verändern.«
Ein Orchesterkonzert in der Scheune, ein Performancespace in der alten Brennerei, eine Open-Air-Bühne im Gutshaus-Garten, ein heimeliger »Kokon« im Wald, ein temporärer Club, eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert und mittendrin Dorfbewohner:innen, die mit Kaffee und Kuchen all die versorgen, die nur für ein Wochenende nach Bröllin kommen: So in etwa wird das sogenannte Schloss […]
Werde, der du bist
»Es war von Anfang an immer mein Wille, mitzuteilen, dass es wichtig für den Einzelnen ist, sich zu individuieren und sich nicht einem Diktat unterzuordnen. Also, ästhetische Diktate, ästhetische Normen, ästhetische Konventionen nicht unbefragt zu lassen«, sagte Wolfgang Rihm vor zehn Jahren im VAN-Interview am Rande des Composer Seminars der Lucerne Festival Academy. »Dieser wunderschöne […]
»Wer recht hat, das mögen die anderen entscheiden.«
Im Mai 2012 hat Rafael Rennicke mit Hans Werner Henze ein Interview geführt – eines der letzten, die der Komponist vor seinem Tod im Oktober desselben Jahres gegeben hat. Darin äußerte sich der geistig noch immer hellwache Henze, der einst erklärter Atheist, engagierter Marxist und Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens war, erstmals explizit zu Fragen des […]
»Also haben wir das Stroh ausgeräumt, die Scheune gereinigt und zu einem Konzertsaal umgebaut.«
Seit 2010 spielen die großen Namen der Klassikszene in einem Dorf in der Sächsischen Schweiz jedes Jahr für eine Handvoll Tage so gut wie umsonst. Der Grund? Die Musik Dmitri Schostakowitschs. Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch haben sich als einziges regelmäßiges Festival für den Komponisten mittlerweile fest etabliert. Ich habe mit dem Mitbegründer und Künstlerischen […]
»Ein gutes Festival ist eine Auszeit von der Wirklichkeit.«
Dass Grenzen keine Trennlinien sind, sondern Kontakt- und Austauschzonen – und dass dort, wo verschiedene Systeme aufeinandertreffen, Energie, Reaktion und Komplexität entstehen, ist ein viel beschriebenes Prinzip: Wenn zwei Ökosysteme aufeinandertreffen, entwickelt sich gerade in den Randbereichen oft eine erhöhte Diversität, die Kulturanthropologie kennt Übergangsriten als Momente größter Transformation und in der Neurowissenschaft gilt der […]
»Ich muss den Leuten Zuversicht geben.«
Vor 50 Jahren dirigierte Romely Pfund in Sankt Petersburg ihr erstes öffentliches Orchesterkonzert, mit Brahms’ Zweiter, Dvořáks Violinkonzert und einem Stück von Manfred Weiss – »in Leningrad, so hieß das ja damals«, erzählt sie. »Dort stand ein junger Mann, hoch aufgeschossen, hinten bei den Bläsern und half ihnen beim Einstimmen. Das war Valery Gergiev.« Damals […]
»Es gab Zeiten, in denen ich mich fragte: Wer weiß, ob es überhaupt was wird mit einer Karriere.«
Jeder Konzertgänger kennt Stücke, die er nicht mehr hören kann. Man lehnt sich zurück, begibt sich vielleicht in Morpheus‘ Arme – ihr weckt mich, wenn es vorbei ist –, und dann, selten, passiert es: Bei den ersten Tönen des platt gehörten Werks schreckt man aus dem Dämmerzustand hoch – Ach so? Kein Geigern löst bei […]
»Ich erstelle bis heute Playlists für alle meine Freunde, die sie nie anhören.«
Von Thomas Strässle habe ich erfahren, dass Pubertät auch die Zeit der Verheimlichung ist. Während der Unsagbares, Unsägliches passiert oder zumindest gefühlt wird und das Peinliche mit dem Coolen die ideellen Kessler-Zwillinge bildet. Ich verstehe jetzt auch, warum sich Klischees von der ›noblen Querflöte‹ und dem ›lasziven Saxophon‹ lange und hartnäckig gehalten haben. Ich erinnere […]
