Manchmal stimmt einen die Wiederbegegnung nach längerer Zeit milder gegenüber einer Inszenierung, die einen seinerzeit beim Kennenlernen mopste. So ist es mir zum Beispiel mit Kirsten Harms’ fünfzehn Jahre alter Tannhäuser-Regie ergangen, die im Rahmen einer Gesamt-Wagner-Durchmessung (einschließlich inhärentem Dirigenten-Casting) an der Deutschen Oper Berlin wiederzusehen ist. Mein früherer Grimm über Unzulänglichkeiten und Zumutungen, etwa die demonstrative Symmetrie und Statik der Inszenierung, verdünnisiert sich beim Wiedersehen einigermaßen. Und auch wenn im Venusberg erotische Defizite bleiben, eine generell steife Atmosphäre, so sind einige der größten Anfechtungen von 2008 behoben: etwa die Bügelfalte im Handtuch, das die Venus (seinerzeit eine Sängerin mit penetrantem S-Fehler) sich damals um Hüften und Brüste hielt, ein abtörnendes Outfit, mit dem man keinen Fuß ins KitKat setzen dürfte.
Dafür weiß ich nun aber doch manche Stärken der Harms-Inszenierung mehr zu schätzen. Auf einer durchaus gegenwärtigen Ebene beeindruckt die dauernde Präsenz von überpanzerter Männlichkeit, in Form allgegenwärtiger Rüstungen. Und, ganz allgemein: Wer könnte denn nicht entzückt sein von einem lufttanzenden Ritter, der zu Beginn zu den Klängen des allerschönsten Opernvorspiels aus höchster Bühnenhöhe in die Tiefe schwebt?

