Berlin hat ein Faible für tote Pferde. Gerade vollführt der neue CDU-Senat einen verkehrspolitischen Rollback, in dem unter der Chimärenparole des »fairen Miteinanders« die totale Dominanz des privaten Automobils betoniert wird: Weil die Stadt von tapsigen Grünen (Stichwort Friedrichstraße) genervt war, pfeift man auf die Erfahrungen und den Mut von Amsterdam und Kopenhagen, Paris und Barcelona und greift tief in die Mottenkiste des vorgeschobenen Alles für alle, nur um am Ende wieder bei freier Fahrt für Autos und bei der Stadt als totaler Parkplatz zu landen, und für den Rest: Ausbremsung des ÖPNV, Bürgersteigradwege für Radfahrer gegen Fußgänger. In der Kulturpolitik pfeift meine märkische Provinzpolis, die sich gern für die meiste Weltstadt der Welt hält, auf die Erfahrungen von München, Dresden oder auch Bayreuth und folgt dem verliebten Wunsch ihres führenden Opernorchesters. Christian Thielemann soll also Daniel Barenboim als Chef an der Staatsoper Unter den Linden nachfolgen. Ist das eine kluge Entscheidung? Oder auch so ein totes Pferd, auf das sich der Berliner entschlossenen Blickes stürzt, um in die Zukunft zu galoppieren – nur um sich am Ende zu wundern, warum er schon wieder im Stau steht?


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com