Diesmal einfach keinen Bock auf Zoom. Der Mensch selbst sollte es sein, analog, jenseits aller Virtualität, derjenige, der Kompositionen wie Eislermaterial, Musiktheater-Installationen wie Stifters Dinge erdacht hat – wobei sich in Heiner Goebbels’ Begriff nichts mehr von dem findet, was Mozart oder Wagner unter »Musiktheater« verstanden – und zuletzt A House of Call. Er ist […]
Autoren-Archive: Stefan Siegert
»Wenn man sagt: ›Das drückt jetzt Zorn aus‹, kommt man nicht weiter, man verkürzt die Sache nur.«
Auf dem Zoom-Monitor wirkt er anders als auf den Fotos. Aber auch die Fotos, nicht nur wegen seiner etwas ausgefallenen Frisur, geben ein immer wieder verschiedenes Bild von Enno Poppe. Er geht mit dem Gesicht nah an das Kameraauge heran. Es wirkt knochiger und schwerer als erwartet, wie jemand, den man für jünger gehalten hat, […]
»Besonders vorsichtig sein? Im Gegenteil.«
Die Tür geht auf. In ihr Tobias Koch. Aber hinter ihm keine Wohnung. Ein Kellergang. An seinem Ende um Ecken herum eine zweite Wohnungstür und Räume: große Fenster zum Hof mit langen Vorhängen, Bücherwände, bequeme Sitzmöbel, Bilder, schöne Lampen und sogar ein Bad, eine Küche – das Ganze aber wieder keine Wohnung. Denn da stehen […]
Kurz vor dem Sturm
Ádám Fischer ist schuld. Im Verlauf des VAN-Gesprächs vom vergangenen Dezember hatte er mir von seiner Freude darüber erzählt, dass er zum ersten Mal eine Oper in der Stadt dirigieren würde, in der er seit langem lebt. Ein Don Giovanni in Hamburg. Vom dafür vorgesehenen Regisseur Jan Bosse hatte ich vorzeiten – in den Hauptrollen […]
kopflos
»La Morte della Ragione« von Il Giardino Armonico und Giovanni Antonini. Text · Titelbild Ausschnitt aus Das Jüngste Gericht, Hieronymus Bosch (oder Werkstatt) [Public Domain] · Datum 2.10.2019 Ein Solo der Flöte am Anfang, a capella. Der Chef spielt persönlich. Giovanni Antonini, einst als Barock-Flötist italienischer Ziehsohn Nikolaus Harnoncourts, nun selbst ein außergewöhnlicher Dirigent und […]
Nichts dahinter.
Es war Anfang der Fünfzigerjahre. Die »Hörzu« verhalf Axel Springer zur ursprünglichen Akkumulation. Ich lernte gerade lesen. Gleich der erste Band der lustigen Hörzu-Bilderbücher mit dem Redaktionsmaskottchen Mecki gefiel mir, er führte ins Schlaraffenland. Bevor man aber in die Gefilde von Honig, gebratenen Tauben und ewiger Muße gelangte, war, ihn verspeisend, ein massiver Wall trockenen […]
Für mehr als den Weltfrieden.
Er sieht verschlafen aus, wie er zur Tür hereinkommt. Draußen ein Schild: »Frühstück bis 16 Uhr«. Er mag das Café in St. Georg, wo wir uns um elf Uhr in der Früh zum Interview treffen. Er wohnt selbst im Stadtteil am Nordufer der Außenalster. Seinem Deutsch hört man an, es wurde in Wien geprägt, er […]
»Nicht wegen der Gefahr. Wegen des Genusses.«
Das Gegenteil von Fremdeln? Gibt’s im Deutschen nicht. Arthur Schoonderwoerd aber liebt es. Während seiner Ausbildung auf dem modernen Flügel verfiel der in Besançon lebende Niederländer in seine zweite Leidenschaft, das Gründeln. Warum, fragte er seinen Lehrer Hermann Uhlhorn, werden auf der Klaviatur ganz rechts so viele Tasten nie berührt? Der wusste es nicht. Schoonderwoerd […]
Man muss nie etwas machen. Es muss einen überkommen.
Zu Besuch bei Anner Bijlsma
