Veröffentlicht inKritik

Glück, das an uns vorbei ging

Unter den Linden hat Sir Simon Rattle am Sonntag endlich seinen Janáček-Opern-Zyklus komplettiert. Auch Rattles Gattin, die mit ihrer bezaubernden Porzellanstimme allezeit treffsichere Mezzosopranistin Magdalena Kožená, trat im zweiten Akt kurz in Erscheinung. Nämlich in der Rolle des feschen Herrn Reinecke, der die schlaue Fuchsfrau vernascht und heiratet. Woraufhin der Chor des Waldes in einen […]

Veröffentlicht inKommentar

Eine Salzburgische Maskerad

Dass Politiker in die Inhalte der Kunst hineinregieren, für die sie Gelder verwalten, ist eher Alltag als Ausnahme. So etwas kommt immer wieder vor. Neuerdings häufen sich Fälle, in denen der Aufsichtsrat eines Festivals den künstlerischen Leiter schurigelt und loswerden will. Bei den Salzburger Festspielen geht es allerdings weder um politische Statements noch um Inhalte. […]

Veröffentlicht inKritik

Böse Musik

Paul Hindemiths erfolgreichstes Werk, das ihn berühmt machte, ist hundert Jahre alt und aktueller denn je. Das beweisen zwei Neuinszenierungen des Cardillac an diesem Wochenende, erst in Meiningen, danach in Zürich. Gespielt wird jeweils die Urfassung. An die von Hindemith revidierte Zweitfassung kann sich eh heute kaum noch jemand erinnern, sie wurde anno 1969 zum […]

Veröffentlicht inEssay

Bonner Blau

Der Rhein ist hier schon relativ breit und schnell. Je nach Pegelstand schafft er auf der Höhe des Bonner Bundesdorfs 6 bis 10 Stundenkilometer. Schwimmen ist streng verboten. Aber es gibt hier immer noch schöne Stellen am Fluss, an denen das Ufer strandartig anmutet und man Kiesel flach übers Wasser titschen kann, als wäre man […]

Veröffentlicht inMeldung

Die Rückkehr der Künstlerintendanten

Das Timing hat zwar nicht planmäßig geklappt. Andererseits ist unterdessen auch nichts durchgesickert. In Aix-en-Provence gehen die Uhren offenbar immer noch anders, man bleibt erfrischend entspannt, unabhängig von Tempo und Tratsch des Clickzeitalters. Ursprünglich war die Bekanntgabe der Personalie, wer in Nachfolge des jüngst verstorbenen Pierre Audi die Leitung des Aixer Opernfestivals übernehmen soll, angekündigt […]

Veröffentlicht inKritik

Gebt diesen Steinen ein Bewusstsein!

Musik ist die Sprache der Gefühle. Vielfach benutzt, manchmal verhunzt, geht dieser Merksatz zurück auf Immanuel Kant. Auch die Parnassus Arts Productions haben sich den Slogan auf die Fahnen geschrieben. Gegründet 1999 von Manager Georg Lang und Countertenor Max Emanuel Cencic, kümmert sich diese Wiener Agentur um rundum alles, was im florierenden Zwischenreich der Barockoper […]

Veröffentlicht inKritik

Schaufenster eines Landes

Martha Argerich hat abgesagt. Das war die schlechte Nachricht für etliche Festivals und Tourneen des Sommers. Zumindest, was das Box Office anbelangt. Doch je nachdem, wer diese unschlagbare Legende ersetzt, kann sich das auch in eine gute Nachricht verwandeln. Auf der aktuellen Europatour der römischen Accademia Nazionale di Santa Cecilia, mit der Daniel Harding als […]

Veröffentlicht inKritik

Liebe ist kein wilder Vogel

Der Sturm ist vorbei. Die Zeit rast im Flug. Vor den hohen Fenstern der Orangerie regiert längst die Nacht im Park Sorgenfrei. Trotz alledem sorgen wir uns doch ein bisschen, wir Glücklichen, die wir noch drinnen im Hellen sitzen, gefangen im Strom der Musik, auf der Insel der Seligen. Kommen wir je wieder heim? Fährt […]

Veröffentlicht inPorträt

Computer können so was nicht

Er blieb bis zu seinem letzten Lebenstag im vierundneunzigsten Jahr wach und gegenwärtig. Bis vorgestern stand Alfred Brendel im Diskurs mit Freunden und Kollegen, als Künstler und als Zeitgenosse, vermittelt über den allmorgendlichen Mailverkehr mit Caro, der »Zeitungsbotin«. Dieser Pianist war, obwohl er sich längst aus dem Konzertleben zurückgezogen hatte, stets präsent, wann immer es […]

Veröffentlicht inKritik

Kollision mit einem Eisberg

Fellini hatte es herausgefunden: Opernhäuser sind, wie große Schiffe, eine Blaupause für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Bei Dekadenz gehen sie unweigerlich unter. Andererseits können sich Insassen von Opernhäusern durchaus ungestraft einer ganzen Reihe von Todsünden hingeben, als da sind Hochmut, Trägheit, Neid oder Völlerei. Man sieht es gerade den etablierten Häusern nicht mal von außen an, […]

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