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Veröffentlicht inPorträt

Theater mit Musik

Als Karlheinz Stockhausen fünf Tage nach den Terrorflügen in die Türme des New Yorker World Trade Centers bei einem Pressegespräch mit dem Schock-Ereignis »das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat« assoziierte (um über seine verstiegen-abgedrehte Spontaneingebung quasi im gleichen Atemzug selber zu erschrecken), ließen harsche Reaktionen bis hin zu Boykottaufrufen nicht lange auf sich […]

Veröffentlicht inInterview

»Es gibt eine ganze Menge Puritanismus und Verklemmtheit in der klassischen Musikindustrie.«

Es gibt wenige Sängerinnen, die sich musikalisch so stilsicher durch verschiedene Genres und Epochen der Musikgeschichte bewegen wie Anna Prohaska. Wenn sie wie in ihrem mit Patricia Kopatchinskaja entworfenen Programm Maria Mater Meretrix an einem Abend Musik von Hildegard von Bingen, Crumb, Eisler, Tavener und Kurtág miteinander verbindet, wird das nie beliebig, aufgesetzt oder prätentiös, […]

Veröffentlicht inPorträt

Die letzte Assoluta

Eine Diva war sie nicht. Jedenfalls keine im Sinne jenes Typus der fragilen Göttin, die, aus grautrüben Verhältnissen zu den Sternen aufgestiegen, lichterloh brennt und stets in Gefahr steht, plötzlich zu verglühen. Allüren, Extravaganzen, die Kultivierung einer Aura des Unbotmäßigen, Unberechenbaren, Unergründlichen waren ihr fremd. Sie ist durch Krisen gegangen, hat Rückschläge erlebt, doch nie […]

Veröffentlicht inKritik

Wenn der Joker zweimal klingelt

Stefan Herheims neuer Berliner Ring des Nibelungen endet, bevor er sich schließt: mit der Götterdämmerung vor dem Siegfried. Wobei der Untergang von allem ja zwangsläufig ist – aber doch nicht so! Ein Debakel, aber mit Ereignissen. Selten so lapidar erlöst worden: Die Reinigungskraft mit medizinischer Maske fegt auf der Bühne zusammen, und natürlich wischt sie […]

Veröffentlicht inSerien

What’s up with … Weber?

Carl Maria von Weber ist ein Nordlicht. Er kam im November 1786 in Eutin zur Welt. Daheim wurde eifrig musiziert. Und man reiste viel in Sachen Kunst: Die Eltern – Musikerin und Musiker – gründeten ein fahrendes Theater. Und auch durch Carl Marias Cousine Constanze (1762–1842) lag der Duft von Ruhm und Legendentum in den […]

Veröffentlicht inKritik

Erneuerung im Leisen

Endlich wieder Konzert und Oper, die einen mit Klang umhüllen wie das Fruchtwasser einen Embryo. Endlich wieder die Millisekunden spüren, die der Ton braucht, bis er das Trommelfell berührt. Das Abdunkeln der Saallichter, das angespannte Warten, bis der Dirigierstab mit dieser sonderbaren Mischung aus Wille und Schwerkraft fällt, die Spucke der Sänger:innen, die wie Staub […]

Veröffentlicht inKritik

Aus Intoleranz wird Ignoranz.

Intolleranza 1960 zeigt in der aktuellen Neuinszenierung der Salzburger Festspiele eine äußerst kraftvolle und kongeniale Entfaltung und Fortschreibung von Nonos großem szenischem Experiment aus dem Jahr 1961. In Venedigs legendärem Opernhaus La Fenice uraufgeführt, sprengte das Werk damals nicht nur Konventionen sondern auch die herkömmlichen Dimensionen und Sujets von Musiktheater: eine Bergarbeitersiedlung, eine Friedensdemonstration, eine […]

Veröffentlicht inInterview

Die Anti-Diva

Pauline Viardot, die vor 200 Jahren in Paris in eine andalusische fahrende Opernfamilie hineingeboren wurde, war in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung: Sie komponierte und veröffentlichte (vor allem Vokalwerke mit französischen, russischen, deutschen, italienischen und spanischen Texten), spielte Klavier auf dem Niveau einer Clara Schumann, unterrichtete, vermittelte zwischen Künstler:innen, Gönner:innen und Kulturen, betätigte sich als Herausgeberin, […]

Veröffentlicht inKritik

Post aus Bayreuth (2): »You häff to go where ›Garderobe‹ stands«

Wie eine Alien-Parade muss Otto und Frieda Normalbayreuther dieser allsommerliche Aufmarsch der Wagnerfreunde erscheinen, 150 Jahre nach der zufälligen Erstlandung des Meisterraumschiffs im fränkischen Städtchen. Aber man integriert das Fremde! Im Frühstückszimmer meiner Pension, die zur Festspielsaison die Preise verdoppelt, prangt ein Druck der jungwagnerschen Dirigiersilhouette harmonisch neben drei kapitalen Hirschgeweihen. Und mit etwas Mühe […]

Veröffentlicht inUncategorized

Post aus Bayreuth (1): Mama räumt auf in der Männerpsycho-Küche

Die Welt ist wieder heil, als sie endlich von Neuem untergeht. Als die Sturmmusik des Fliegender Holländer-Vorspiels losbraust, ist die westdeutsche Flutkatastrophe mit allem Drumherum weit weg. Und auch die Corona-Pandemie irgendwie vergessen, wie wir da im Bayreuther Festspielhaus sitzen, durchgeimpft und abmaskiert und hemdesärmelig durchlüftet dank Sitzanordnung im Schachbrettmuster (ob’s was hilft in der […]