Veröffentlicht inHundert 11

Sterben ist Menschensache

Das Problematischste an Tobias Kratzer sind die Kratzer-Nachahmer: andere Regisseure, die in gleicher Manier den narrativen Parallelverkehr anpeilen. Und zwar, indem man den Opernplot durch eine ausgefeilte Erzählung überschreibt, inklusive rasant-komischer Videos und dergleichen (deprimierend schiefgegangen etwa kürzlich beim Berliner Zar und Zimmermann). Die Krux dabei ist keineswegs die freche Methode selbst, sondern ein Mangel […]

Veröffentlicht inHundert 11

Zeremonie der Nuancen

Dass manche Musikkritiker etwas ledrige Zeitgenossen sind, mag auch mit dem manchmal »sauren Amt« (Beckmesser) zu tun haben, aber auch wirklich jede Opernpremiere begutachten zu müssen. Probates Mittel zur Vorbeugung aller Verlederung: öfters Arbeiten wieder besuchen, die gestern gut waren, heute gut sind und morgen gut sein werden. Etwa Ruth Berghaus’ alte Inszenierung von Pelléas […]

Veröffentlicht inHundert 11

Lortzing in der Traufe

Jüngeren Menschen in der Hauptstadt dürfte Albert Lortzing am ehesten noch geläufig sein durch das Marmordenkmal in der schönsten Gegend des Berliner Tiergartens, gleich gegenüber der Rousseau-Insel. Das ist eine Versteinerung geradezu ovidischen Ausmaßes, wenn man die Tatsache bedenkt, dass vor wenigen Jahrzehnten jedermensch Lortzing im Ohr hatte. Etwa die sentimentalen Verse des Zaren aus […]

Veröffentlicht inHundert 11

Ob Mexiko oder Marokko, Hauptsache Musik

Nicht alles, was hinkt, ist ein Ausgleich (wie schon Josef Herberger nicht sagte). Trotzdem kann man den Pianisten Stephan von Bothmer gleichsam als den Heribert Faßbender der Fußballmusik bezeichnen, denn beide haben die akustische Parallelaktion zum Sportereignis in den Rang einer eigenen Kunstform erhoben. Dieser brachte mittels des gesprochenen Worts das nackte Spiel auf eine […]

Veröffentlicht inHundert 11

Klangwolke aus dem Glockenturm 

Die interessantesten Konzerte sind nicht immer die ausverkauftesten. Während sich bei einem Mahler-Abend die philharmonische Bude quasi von allein füllt, ist ein Konzert mit drei wenig bekannten tschechischen Werken etwas für Neugierige – und für Hörer, die Jakub Hrůša bereits erlebt haben. Denn die kennen die Qualität dieses eitelfrei hochqualifizierten Dirigenten, die man so beschreiben […]

Veröffentlicht inHundert 11

Über sieben Flügel musst du gehn

Vorspiele und Konzerte der Musikhochschulen sind nicht nur Fixtermine für Klassikfreunde mit schmalem Geldbeutel, sondern auch Experimentierfelder für junge Musizierende, seltenes Repertoire, ungewöhnliche Formate. Eine bewährte Institution in diesem Sinn ist das frühsommerliche Festival Crescendo der Berliner Universität der Künste, das in diesem Jahr unter dem Motto GegenTöne steht. Ein wohlgewählter Titel, nicht nur ästhetisch, […]

Veröffentlicht inHundert 11

Zuverlässig unbehaglich

Eine der Luxuriositäten des hiesigen Musiklebens, die dereinst vielleicht »von einst« sein werden: an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zwei große Mahlersinfonien zu hören, in zwei benachbarten Häusern, gespielt von zwei erstrangigen Orchestern und geleitet von zwei Stardirigenten beiderlei Geschlechts. Es soll Lästerzungen geben, denen die höchst erfolgreichen Yannick Nézet-Séguin und Joana Mallwitz als Schaudirigenten gelten, dies […]

Veröffentlicht inHundert 11

Appell ohne Thrill

Zur selben Zeit, da in Wien der European Song Contest stattfand, wurde auch an der Komischen Oper Berlin eine Party mit eisernem Willen zur Ausgelassenheit gefeiert, rhythmisch und satztechnisch weitaus amorpher, doch ähnlich queer. Die genderfluide Figur schlechthin, Virginia Woolfs Orlando, hat auf der Opernbühne neuerdings ein Kind, das hier ausgiebig die nichtbinäre Freiheit preist. […]

Veröffentlicht inHundert 11

Ritual und Illusion

So wie jedes Konzert mit Herbert Blomstedt eine tollkühne Herausforderung aller Gesetze der Zeitlichkeit ist, so stellt jeder Klavierabend mit Grigory Sokolov die Auflösung aller Zeit im Ritual dar. Der Vorgang wiederholt sich wie Weihnachten und Ostern Jahr für Jahr, jedes Mal von Neuem, aber immer gleich: dieselbe Jahreszeit, zu der Sokolov alljährlich an seiner […]

Veröffentlicht inHundert 11

Vollbad im Feuersee

Vor etwa zehn Jahren schrieb ich nach einer Aufführung der vierten Sinfonie von Franz Schmidt über eine Assoziation zum Trompetenklang von Miles Davis, was damals in einem Franz-Schmidt-Spezialisten-Forum (es gibt nichts, was es nicht gibt) spöttisches Kopfschütteln auslöste. Nun denn! Es kehrt im Leben alles wieder; und so setzt das diesjährige Musikfest Hamburg einen Miles-Davis-Schwerpunkt […]

Verify your email

We'll send a verification code to .

Sign up for newsletters

Get the best of VAN Magazin directly in your email inbox.

Sending to:

Gift this article