Nach drei Vierteln vom Gesamtspiel ist, das wissen wir seit der ruchlosen Infantino-WM des fernen vergangenen Sommers, Zeit für hydration break. Und damit höchste Eisenbahn, sich zu fragen, ob die Taktik des Trainergespanns aufgeht. Das gilt auch für den neuen Ring des Nibelungen an der Bayerischen Staatsoper, von dem Regisseur Tobias Kratzer und Dirigent Vladimir […]
Kategorie: Hundert 11
Konzertgänger in Berlin – der Blog von Albrecht Selge.
Mehr Ausdruck der Empfindung als Kritik.

Schiffbruch mit schlafendem Zuschauer
Einiges an dieser Inszenierung ist anregend, einiges diskutierbar, einiges auch anstößig – allein die Musik von Richard Wagner stört in jedem Fall. Als »Roadtrip durch die deutsch-israelische Nachkriegsgeschichte, der sich mit Schuld, Erinnerung und der ewigen Suche nach Erlösung auseinandersetzt«, will der Schweizer Regisseur Milo Rau den Fliegenden Holländer inszenieren. Darin ist, wie sich erweist, […]
Oboe im Hummelflug
Willkommener Besuch aus dem Nahen und Mittleren Westen: François Leleux, der seit letztem Jahr die bemerkenswerte Kammerakademie Potsdam leitet und ursprünglich aus Croix in der Gegend von Lille stammt, dirigiert am Berliner Gendarmenmarkt das Konzerthausorchester. Auf dem Programm steht Repertoire, das im glitzgüldeligen Schuhkartonsaal des Konzerthauses oft besser zur Geltung kommt als in der stylishen […]
Stell dir vor, es ist Zyklus, und du willst doch wieder hin
Irgendein Beethovenjahr ist immer. Und so fängt 2027 (zweihundertster Todestag) schon 2026 an, zumal das letzte Haupt-Beethovenjahr 2020 (zweihundertfünfzigster Geburtstag) legendär über die Corona-Wupper ging. Und weil das Phänomen Beethovenjubiläum nun mal einen ewigen Zyklus bildet, macht es, wer was auf sich hält, nicht unter einem eigenen Zyklus. Es wird im kommenden Beethovenjahr, das gerade […]
Spiellust und Relevanzklemme
Sympathisch vielfältig, ein buntes Programm frei von kleinlicher Sorge vor dem Kraut-und-Rüben-Vorwurf (falls das ein Vorwurf ist): So zeigt sich das Antrittskonzert von Kazuki Yamada als neuem Chefdirigenten des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Wenngleich, man muss es sagen, dieses Orchester ein bisschen in der Relevanzfalle klemmt. Als herrschte bei so einem ersten Konzert nicht ohnehin genug […]
Federkleid, Schmiedefuchs, Kakidieb
Tatsächlich eine Form von Oper, entstanden sogar 250 Jahre, bevor die Europäer die Gattung »erfanden«: Das ist nicht falsch. Und doch wirkt dieses Etikett wie ein Notbehelf des westlichen Menschen, der versucht, sich dem Mysterium japanisches Nō-Theater anzunähern. Gewiss ist das »ein Gesamtkunstwerk mit Orchester, Chor, Rezitativ, Arie, Szene und Tanz«, wie Professor Glen Wilson […]
Glück, Verhebung, Klinkenknubbel
Es ist wieder da, wo es hingehört. Lerchenauisch Glück also in Köln, der Autohölle mit Herz: Nach vierzehn Jahren wurde das Opernhaus am Offenbachplatz wiedereröffnet. Die Sanierung war eine rechte Ochstour. Geplant waren drei Jahre und nicht mal ein Drittel der Kosten, die dann tatsächlich entstanden. Inklusive der Aufwendungen für den Interimsbetrieb auf der anderen […]
It Ain’t Necessarily Szenisch
Gerade in so vergifteten Zeiten wie jetzt ist der Sänger Klaus Florian Vogt für mich, bitte um Nachsicht, so etwas wie die Angela Merkel des Klassiklebens: Wir kennen ihn; und wo er auftaucht, ist für einen Moment alles wieder gut. So auch, wenn er im Konzerthaus Berlin gemeinsam mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin einen wohltuenden Abend […]
Ohn’ warumb
Schön sind Konzerte, die das Beste vom Neuen erklingen lassen; noch schöner solche, die es mit dem Unverwüstlichen von gestern koppeln und sogar das Vorgestrige darin spiegeln. Beim Berliner Gastspiel des in Hamburg heimischen Ensemble Resonanz, das Werke aus einer Spanne von fast dreihundert Jahren kombiniert, klingt für mich am frischesten die Musik der serbisch-paneuropäischen […]
Frack und Frage
Neben unerhörten Uraufführungen und seltenen Werken gibt’s beim saisoneröffnenden Berliner Musikfest auch die lukullisch-luxuriösen Programme. Wobei dieses lulu keineswegs bedeutet, dass es da nicht um Ewiges gehen kann. Aber es sind dann eben keine Geringeren als das London Symphony Orchestra und die Staatskapelle Berlin, die hier ihren je eigenen Bruckner beisteuern. Zwei Arten, Bruckners Majestät […]
