Man muss sich etwas hüten, wenn man übers Posthorn-Solo im Scherzo von Mahlers 3. Symphonie schreibt. Man will ja nicht unter Kitschverdacht geraten, und dieser Episode haftete lange Zeit – und vielleicht immer noch – etwas anrüchig Idyllisches an. Aber, getreu des Journalisten-Mottos »Sagen, was ist«, muss man es dann doch gleich zu Beginn einmal […]
Schlagwort: Gustav Mahler
»Ich verstehe nicht, wie jemand völlig unpolitisch sein kann.«
Paavo Järvi zählt zu den umtriebigsten und interessantesten Dirigenten seiner Generation. Musikalisch bestimmen eine stete Neugier und gleichzeitig umsichtige Durchleuchtung der Werke seine Arbeit, wodurch seinen Interpretationen eine wohltuende Kombination aus Intellektualität und – wie im Falle Gustav Mahlers – berstender Spontaneität innewohnt. Öffentlich ist er neben seinen Dirigaten auch mit seiner klaren politischen Haltung […]
»Das ist Ihr Höhepunkt bis jetzt!«
»Soeben 1 Uhr sind Mahler u. Frau abgereist, lassen Dich herzlich grüßen, der italienische Componist Puccini war eigens auch aus Pest gekommen, viel junge Leute aus Wien, deren einziges Handgepäck ein Klavierauszug war, – es regnet u. ich sitze auf der Gartenterrasse des Hotels, um Dir zu berichten, daß Salome sehr gut gegangen, ein Riesenerfolg, […]
»Wenn man anfängt, zu viel über die Größe und den Moment nachzudenken, verliert man aus den Augen, warum man eigentlich da ist.«
Am 20. Februar gibt Marin Alsop ihr Debüt am Pult der Berliner Philharmoniker mit einer Uraufführung von Outi Tarkiainen sowie Stücken von Brett Dean, Aaron Copland und Heitor Villa-Lobos zu den Themen Natur und Klimawandel – eine Zusammenarbeit, die herausfordernd werden könnte: Alsop, die John Adams einmal als »bescheidene, großzügige und sogar zurückhaltende Persönlichkeit« beschrieb, […]
»Sie haben mich gefragt, ob ich ihr Chefdirigent und Daddy werden will.«
»Sieh die Musik, hör den Tanz« Wenn ich in diesem Herbst die Tschechische Philharmonie höre, sowohl live beim Heimspiel im Prager Rudolfinum als auch auf den vielen neuen Aufnahmen mit dem derzeitigen Chefdirigenten Semyon Bychkov, kommt mir oft dieses Zitat des Choreografen George Balanchine in den Sinn. Was ist anders an ihren Interpretationen der Klassiker? […]
Auferstehung zum Abschied
Das war’s schon wieder: Nach gut sieben Jahren als Chefdirigent gibt Robin Ticciati seinen Ausstand beim Deutschen Symphonie-Orchester. Es ist nicht so, dass man ihn in Berlin satt hätte, im Gegenteil. Mit seiner Mischung aus musikalischer Ernsthaftigkeit und menschlicher Sanftmut, auch schüchternem Charme hat das Publikum Ticciati ziemlich liebgewonnen. Eher könnte man fragen, ob diese […]
Wie ein Konstrukt
Jeder konstruiert sich seinen Currentzis. Im Blick auf den schwarzgewandeten Bleichling scheinen mittlerweile keine Grautöne mehr möglich, nur noch Blackpainting versus Whitewashing. »Putinknecht, Geniefaker, Scharlatan« wütet es von der einen Seite, unter Beiseitefegung allen Zweifels, jeder Differenzierung, angestachelt durch Currentzis‘ schwer erträgliches Schweigen zu Russlands Krieg. Pah! Kunst und Politik müsse man »einfach trennen«, leiert […]
Mahler-Verstörung
Bis zuletzt soll Gustav Mahler geändert haben an der Partitur seiner fünften Symphonie, zumal das Schlagwerk zurückgenommen. Vielleicht sind deshalb die Becken, die da nach der Trompetenfanfare am Anfang, über dem Tutti-Fortissimo fürs strahlende Finish sorgen, zwei Nummern kleiner als üblich im symphonischen Normalbetrieb. An diesem Abend, an dem das Mahler Academy Orchestra aus Bozen […]
Jubilarswahlverwandtschaften
Ein Festivalprogramm, das halb sorgsam kuratiert, halb aus zufälligem Tourneerepertoire zusammengewürfelt ist, lädt zu allerlei eigenen Verknüpfungen ein. Runde Geburts- und Todestage stehen ja heutzutage in (zu) hohem Grad im Mittelpunkt der Klassikprogrammgestaltung. So sind auch beim diesjährigen Musikfest neben dem Leitthema Amériques drei 2024er Jubilare präsent: ein wenig der extrem unamerikanische Anton Bruckner (200. […]
Flottes Adagio
Ich persönlich war nie ein Fan der langsamen Sätze von Symphonien oder Klaviersonaten. Die schnellen Ecksätze von Werken in Sonatenhauptsatzform oder Ähnlichem rockten für mich einfach mehr. »Ballern, ich wollte ballern!«, so sagte es mal jemand – ich glaube, es war ein Boxer. Mit zunehmendem Alter regiert allerdings zunehmend die Einsicht, man solle auch einmal […]
