Die Norma ist nicht irgendeine Partie, sie war es von Anfang an nicht. Bellini schrieb sie seiner Muse Giuditta Pasta in die Kehle und auf die wohl einzigartigen Möglichkeiten ihrer Stimme hin. Mit der gallischen Druidenpriesterin, die heimlich einen römischen Besatzer liebt und mit ihm Kinder hat, der sich dann klassisch dreieckstechnisch in eine Jüngere […]
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Es dreht sich (Post aus Wien #5)
Wien im Winter, merkwürdig still, mitten im politischen Interim, das, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, auf den »Volkskanzler« Kickl zulaufen wird. Die Wienerinnen und Wiener haben den Kickl eher nicht gewählt und scheinen in eine Art Winterschlaf der Ratlosigkeit gefallen zu sein, und der Kulturbetrieb tut, was er am liebsten tut: Er kreist um […]
Wüst am Meer
Hundertachtzehn Jahre lang wurde Ethel Smyths Oper The Wreckers in Deutschland (nach einer durch freche Männerkürzungen versemmelten Uraufführung) überhaupt nicht gespielt. Und jetzt gleich dreimal: kürzlich in Karlsruhe, im kommenden Winter in Schwerin, jetzt in Meiningen. Ist die üppige Strandräuberpistole der britischen Komponistin damit jetzt schlagartig Repertoire? Mal abwarten. Vermutlich wird das eine oder andere […]
Wie ein Konstrukt
Jeder konstruiert sich seinen Currentzis. Im Blick auf den schwarzgewandeten Bleichling scheinen mittlerweile keine Grautöne mehr möglich, nur noch Blackpainting versus Whitewashing. »Putinknecht, Geniefaker, Scharlatan« wütet es von der einen Seite, unter Beiseitefegung allen Zweifels, jeder Differenzierung, angestachelt durch Currentzis‘ schwer erträgliches Schweigen zu Russlands Krieg. Pah! Kunst und Politik müsse man »einfach trennen«, leiert […]
Drohende Gefahr, Angst, Katastrophe (Post aus Wien #3)
Arnold Schönbergs 150-Jahr-Jubiläum im September ist irgendwie dann doch eine Sache der Zirkel geblieben, ein Fest für Eingeweihte. Hatte ich hier schon festgestellt. Dieser Jubeljahrgang gehörte Bruckner, und dann kam lange nichts. Bruckner scheint der Mann der Stunde. Man kann das vielleicht erklären: Seine symphonischen Romane werden, live oder konserviert, im musikmedialen Diskurs vor allem […]
So schmal! Am Schubert-Grat
Eine Kolumne soll eine Meinung haben; diese hier heute hat eine Ambivalenz, und das kommt so: Vor ziemlich genau einem Jahr wollte ich mich, bei einem Familienbesuch mit unter anderem einem damals Dreijährigen im Schubert-Geburtshaus im Wiener Alsergrund schon etwas über das rüde Disziplinarregime des aufpassenden Personals (»Hier wird nicht gelaufen!«) aufregen, vor allem aber […]
Feierlich gewitternd
Quasi zwei Mini-Festivals im Festival, konzentriert und hochkarätig: Beim Musikfest Berlin sind drei Konzerte dem Schaffen von Isabel Mundry gewidmet, einer der wichtigsten Komponistinnen der Gegenwart. Drei weitere Konzerte präsentieren Musik der weithin unbekannten Amerikanerin Ruth Crawford Seeger, die vor allem in den 1920er Jahren komponierte. Beflügelnde Hörherausforderung! Die sich noch fortsetzt im großen Symphoniekonzert, […]
Kein »und«, nirgends
No sleep till Bayreuth, last Tristan before Festspiele (alles Wichtige von dort dann in der VAN-Ausgabe am 7. August). Die Deutsche Oper Berlin zeigt zum Saisonschluss nochmal ihren Tristan in der Graham-Vick-Inszenierung von 2011, die mittlerweile ein Lieblingsgrollobjekt der »Das steht aber nicht im Libretto!«-Wagnerianer ist; für mich gehört sie zum Sinnigsten und Berührendsten, was […]
Walomat: neutral
Gleich zwei mächtigen Meeressäugern finden sich hier Musik und Bühne gegenüber: Da ist zum einen der zugrundeliegende, 1989 auf Ungarisch erschienene Roman Melancholie des Widerstands von László Krasznahorkai, einem Schriftsteller von Weltrang, wie man so sagt. Und zum anderen der nach demselben Buch entstandene Béla-Tarr-Film Die Werckmeisterschen Harmonien, der auf der BBC-Liste der 100 bedeutendsten […]
Stream of Gerümpelness
Ob es irgendwann eine große Oper über handelnde Gestalten unserer Zeitgeschichte geben wird? Donald Trump und Wladimir Putin vielleicht? Aufhänger gäbe es. In musikalischer Hinsicht spezifische Sprachmuster. In dramatischer Hinsicht beim einen die skurrile Medienfixierung, beim anderen die wahnhafte Geschichtsphilosophie. Beides erinnert durchaus an zwei der sechs Hauptprotagonisten von John Adams’ Oper Nixon in China […]
