Der Hangar I auf dem Flughafen Berlin Tempelhof ist fast so groß wie ein Fußballfeld. Durchs Nadelöhr einer kleinen Seitentür, barbierosa ausgeleuchtet, sickert das Publikum ein, was einen gut gelaunten, kleinen Stau erzeugt. »Viel Spaß!« wünschen die Kartenabreißerinnen jedem, den sie passieren lassen. Was in keinem Verhältnis zu dem steht, was der Programmzettel verspricht.
Dort steht zu lesen, dass »4 Tote« und »13 Sterbende« mitspielen. Die Hauptfiguren heißen »La Mort« und »Charon«. Zwar werden auch »14 Lebende« namentlich aufgeführt, wohl, weil sie, als Chormitglieder, ein kleines Solo zu singen haben. Aber auch sie setzen später auf die andere Seite über, ins Totenreich. Alles tot am Ende in Hans Werner Henzes politischem Oratorium. Denn sein Floß der Medusa ist ein Schocker, ein Schreckensstück. Es erzählt die wahre Geschichte einer fahrlässigen, freilich auch systemimmanenten Tragödie oder vielmehr Massenhinrichtung, die sich 1816 ereignete, zu einer Zeit, als der Bourbonenkönig Louis XVIII, Bruder des guillotinierten Louis Capet, gerade für kurze Zeit auf den französischen Thron zurückgekehrt war.

