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Pausenwein unersehnt

Bei langjährigen Streichquartetten stellt sich nach vielen Besetzungswechseln die philosophische Frage vom »Schiff des Theseus«: Ab wie vielen Plankenwechseln verliert ein Objekt seine Identität, verliert es sie überhaupt?  Grundsätzlich machen solche Revirements Kammermusik-Ensembles ja unbeschränkt seetüchtig. Das Juilliard String Quartet gibt es seit 1946, das Gewandhaus-Quartett existiert quasi seit Christi Geburt. Das Takács Quartet aber, […]

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Freak und Birken

»Leben mit einem Idioten« klingt für mich wie eine Untertreibung in der gegenwärtigen Lage, wo verschiedene Formen des Psychopathentums Voraussetzung für weltmächtigste Ämter zu sein scheinen. Und so scheint mir Alfred Schnittkes Oper Leben mit einem Idioten von 1992, deren Neuinszenierung, als Koproduktion mit Nancy, jetzt Premiere in Magdeburg feierte, gerade sehr fern und sehr […]

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Virtuosität der Poesie

Kit Armstrong – kein Wunderkind mehr, aber immer noch Wunder – sei der einzige Musiker, der direkten Zugang in Beethovens Kopf habe, erklärt sinngemäß Dirigent Jan Caeyers vor dem Konzert: Hier sitze quasi Beethoven selbst am Klavier. Einem so profunden Euphoriker wie Caeyers nimmt man solchen Überschwang gern ab. Und auch dem gepriesenen Wunder Armstrong […]

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Ins Ungewisse hinab, ins Ungewisse hinauf

Henze-Absenz. Auffällig. Dabei galt er doch als der (relativ) Publikumsnahe, hielt sich selbst was drauf zugute, dass er sich nicht so weit von der Hörerschaft entfernt habe wie andere Komponisten seiner Zeit. Und jetzt? Zahlt sich das heute, zu Hans Werner Henzes Hundertstem, gar nicht aus? Der anlassbedürftige Klassikbetrieb lässt sich doch sonst kein Jubiläum […]

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Triangle of Happiness

Verdienstvolle List, wenn man einen magnetisch anziehenden Namen in den Dienst von dem stellt, was kaum einer kennt. Der Vehikel-Name lautet in dem Fall Lang Lang, und Nutznießende der Kollateral-Adhäsion ist die einzige Sinfonie von Hans Rott. Die wurde, neben der Aufführung durch ein Uni-Orchester, in Berlin zuletzt 2018 vom RSB unter Sebastian Weigle gespielt. […]

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Angst stecken Seele an

Gibt es eigentlich eine Oper mit einer größeren Kluft zwischen sprödem Werktitel und überwältigender Bühnenkraft, als sie in Poulencs Dialogues des Carmélites besteht? Und eine Oper, die zugleich ebenso aus der Zeit gefallen scheint, wie sie brennend aktuell ist? Heutig: weil die Kontaktpunkte zwischen unserer Gegenwart und der Geschichte einer Gruppe von Frauen, die der […]

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Im lila Rössl der Psychoapokalypse

Eigentlich läuft es auf ein Zweipersonenstück hinaus, dieses durchaus kraftmeierisch-aufgeblasene Debüt des seinerzeitigen Teenagers Erich Wolfgang Korngold von 1916, denn all das Dramatische davor sprudelt ziemlich schnell durch, erst ein Salome-inspirierter Anfang, in dem es männlichem Dienstpersonal nach der erotisch anziehenden, aber verriegelten Herrin gelüstet, dann die Exposition einer sittenstrengen Ehe, dazu ein bisschen Venedig- […]

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Geschlafen – aufgewacht!

Ist die Herausbildung von neuen Klassikern eine Lebensbedingung für Klassik überhaupt? Was die Oper angeht, kann einen bedenklich stimmen, wie selten eines der neuen Werke, die ja geflissentlich in Auftrag gegeben werden, nach der Uraufführung anderswo wieder gespielt wird. Oder gar von leidenschaftlichen Operngängern, auf die es doch unbedingt ankäme, wieder und wieder gehört werden […]

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Einhornpflege im Abokonzert

Abonnenten sind die Einhörner des Kulturbetriebs: In früheren Zeiten gab es sie in Scharen, heute sind sie rarer geworden, schneeweiß die Behaarung, die Varianz ihrer Eigenschaften reicht von sanftmütig-keusch bis wild und furchtlos. Ihr Blut zu schlürfen bringt neues Leben, aber sowas Scheußliches tun nur geschrumpfte Voldemorts (im ersten Harry Potter-Band). Besser ehrt und hegt […]

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Mädel, was fangst du jetzt an?

Vom Anfang hängt alles ab; oder zumindest ziemlich viel. Am Anfang von Alban Bergs Oper Wozzeck entgegnet der Protagonist seinem Vorgesetzten gleich zweimal »Jawohl, Herr Hauptmann«, dann einmal »Schlimm, Herr Hauptmann, schlimm, Wind« und schließlich noch einmal »Jawohl, Herr Hauptmann«. Dreimal also dieses Untertanenwort Jawohl, in dessen bellend-unterwürfigem Sound für Dostojewski, in seinem Roman Der […]

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