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Angst stecken Seele an

Gibt es eigentlich eine Oper mit einer größeren Kluft zwischen sprödem Werktitel und überwältigender Bühnenkraft, als sie in Poulencs Dialogues des Carmélites besteht? Und eine Oper, die zugleich ebenso aus der Zeit gefallen scheint, wie sie brennend aktuell ist? Heutig: weil die Kontaktpunkte zwischen unserer Gegenwart und der Geschichte einer Gruppe von Frauen, die der […]

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Im lila Rössl der Psychoapokalypse

Eigentlich läuft es auf ein Zweipersonenstück hinaus, dieses durchaus kraftmeierisch-aufgeblasene Debüt des seinerzeitigen Teenagers Erich Wolfgang Korngold von 1916, denn all das Dramatische davor sprudelt ziemlich schnell durch, erst ein Salome-inspirierter Anfang, in dem es männlichem Dienstpersonal nach der erotisch anziehenden, aber verriegelten Herrin gelüstet, dann die Exposition einer sittenstrengen Ehe, dazu ein bisschen Venedig- […]

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Geschlafen – aufgewacht!

Ist die Herausbildung von neuen Klassikern eine Lebensbedingung für Klassik überhaupt? Was die Oper angeht, kann einen bedenklich stimmen, wie selten eines der neuen Werke, die ja geflissentlich in Auftrag gegeben werden, nach der Uraufführung anderswo wieder gespielt wird. Oder gar von leidenschaftlichen Operngängern, auf die es doch unbedingt ankäme, wieder und wieder gehört werden […]

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Einhornpflege im Abokonzert

Abonnenten sind die Einhörner des Kulturbetriebs: In früheren Zeiten gab es sie in Scharen, heute sind sie rarer geworden, schneeweiß die Behaarung, die Varianz ihrer Eigenschaften reicht von sanftmütig-keusch bis wild und furchtlos. Ihr Blut zu schlürfen bringt neues Leben, aber sowas Scheußliches tun nur geschrumpfte Voldemorts (im ersten Harry Potter-Band). Besser ehrt und hegt […]

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Mädel, was fangst du jetzt an?

Vom Anfang hängt alles ab; oder zumindest ziemlich viel. Am Anfang von Alban Bergs Oper Wozzeck entgegnet der Protagonist seinem Vorgesetzten gleich zweimal »Jawohl, Herr Hauptmann«, dann einmal »Schlimm, Herr Hauptmann, schlimm, Wind« und schließlich noch einmal »Jawohl, Herr Hauptmann«. Dreimal also dieses Untertanenwort Jawohl, in dessen bellend-unterwürfigem Sound für Dostojewski, in seinem Roman Der […]

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Ist Stockhausens ›Gesang der Jünglinge‹ heute noch spannend? 

Der Dirigent Ingo Metzmacher ärgerte sich über die Bemerkung unseres Autors, Karlheinz Stockhausens Gesang der Jünglinge sei heutzutage »entsetzlich langweilig« zu hören. Hier erklärt Metzmacher, warum Stockhausens Werk für ihn auch heute noch spannende Musik ist – und Albrecht Selge argumentiert dagegen. Pro: Dieser Fluss ist zeitlos schön (von Ingo Metzmacher) Wenn mich jemand fragte: […]

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Schimmern und Zwitschern

Konzertreihen mit Klarinettenquintetten werden richtig interessant ab dem vierten Termin. Denn die ersten drei programmieren sich quasi von selbst: zuerst Mozart (wen zerrisse es nicht), dann Brahms (wen berührte es nicht), anschließend Carl Maria von Weber (wer schätzte es nicht). Dann aber kommt beispielsweise: Max Reger (welche Sau kennt das denn). Der Solist Jörg Widmann […]

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Verismo trifft Film noir

Das ist mal goldener November an der Deutschen Oper Berlin: Er begann mit einem neuen Tristan, den Michael Thalheimer in ungeheurer Konzentration inszeniert und der musikalisch bis ins Detail vorzüglich gelang, und mündet nun in eine packende, rundum befriedigende Premiere von Umberto Giordanos selten gespielter Fedora. 1898 zu hoher Verismo-Zeit in Mailand uraufgeführt, war diese […]

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Strudel ohne Apfel

Wunderland ist Wien ja eh immer, aber erst recht natürlich zur Christkindlmarktzeit, die hier geschäftstüchtig mittlerweile schon Anfang November beginnt, ab Allerseelen eine einzige lange Glühwei(h)nacht, winterlicher Apfelstrudel lässt Touristenherzen auferstehen. Sinnig getimet tut sich da nun im Theater an der Wien, das seit drei Jahren MusikTheater an der Wien heißt, ein Traumreich anderer Art […]

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Sie sinkt, wie geblendet von seiner Nacktheit, in die Knie

Bei den Raritäten, die der Dirigent Iván Fischer gern aufführen lässt, bin ich nicht jedes Mal sicher, ob es sehr gut ist, das jetzt also auch kennengelernt zu haben. Andererseits, bei Fischer wird eigentlich alles interessant, auch das Uninteressante. Und schließlich, der Begriff »uninteressant« trifft es ja gar nicht, was Richard Strauss‘ Ballettmusik Josephs-Legende angeht. […]

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