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»Auch das geht vorüber.«

Lange bevor ich alkoholabhängig wurde – lange, bevor ich überhaupt Alkohol probiert hatte –, war ich süchtig nach Musik. Seit ich mit zehn Jahren die Lacrimosa aus Mozarts Requiem entdeckt hatte und mit ihr auch die stimmungsverändernde Wirkung von Musik, missbrauchte ich sie wie ein abgebrühter Junkie: Sie wurde mein Werkzeug, um Gefühle zu regulieren, […]

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Hope in the Night

Zu den weißesten Orten unseres Kulturlebens gehören immer noch die Konzertsäle – trotz einiger asiatischer Menschen in Orchestern und Publikum. Schwarze Besucher sieht man kaum mal, in Deutschland wohl noch seltener als in Belgien, den USA oder Großbritannien, aber auch dort wenig. Das zu ändern hat sich im Jahr 2015 Chi-Chi Nwanoku aufgemacht, nigerianischstämmige Britin, […]

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Seelenartikulation, die Seelen zerreißt

Es gibt solche Pianisten, die man immer wieder hören will, und solche, die man immer öfter hören sollte. Für die erste Kategorie hat man in der Hauptstadt vor allem die Klavierabende der Stiftung Berliner Philharmoniker oder auch der alteingesessenen Konzertdirektion Adler. Für die zweite Kategorie existiert seit 2012 das privat organisierte Berliner Klavierfestival, ein zuverlässiges […]

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​​Kopfwesen in Feinripp

Im wunderschönen Monat Mai, wenn alle Knospen springen, blickt der geneigte Konzertgänger in die allseits erscheinenden neuen Saisonvorschauen, mancher so sehr, dass er darüber fast die laufende Gegenwart vergessen kann. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB), das unter allen Klangkörpern der Stadt wohl den intellektuellsten und reflektiertesten Dirigierkopf besitzt (nämlich Vladimir Jurowski), wird in der kommenden Spielzeit […]

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»Wenn das Thema erklingt, hat Annie Fischer schon eine ganze Welt aufgebaut.«

»Die Präsenz von Mikrofonen beunruhigte sie und störte ihre Affinität zum Spontanen«, schreibt János Mácsai über die Pianistin Annie Fischer. Trotz – oder gerade wegen? – ihrer Angst vor der Aufnahmesituation, ihrer Liebe zum Live-Konzert und vor allem aufgrund der sprudelnden Frische ihres Klavierspiels, ihrer vermittelten Authentizität im Erfühlen der Werke Mozarts, Beethovens und Schuberts […]

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Nicht con brio leiern!

Der Pianist sitzt nicht seitlich, sondern mit dem Rücken zum Publikum – und somit absolut offen ins gemeinsame Musizieren mit dem Orchester. Es gibt ja viele Arten, Beethovens ziemlich bekannte Klavierkonzerte zu »verlebendigen«. Neben pochenden Hammerklavieren und warmkratzenden Darmsaiten oder Spieltechniken und Phrasierung kann auch eine solche historische Bühnenaufstellung dazugehören, bei der dann der Pianist […]

Veröffentlicht inHundert 11

Farben und Fetzen

Man hört manchmal desillusionierende Geschichten aus großen Symphonieorchestern oder führt nette Zufallsgespräche mit diesem oder jenem Hinterbänkler, da kann es einem mitunter deprimiert den Rücken runterlaufen: Kunstdienst nach Vorschrift, strikte Beschränkung aufs eigene Handwerk. Was wollen solche Fachleute von der Musik? Über den eigenen technischen Spezialbereich hinaus null Interesse am Musikleben (und der Welt im […]

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Fünf echt schlechte Solokonzert-Kadenzen bekannter Komponisten

Wenn, wie bei Solokonzerten nun mal üblich, mindestens eine Person mit ihrem Instrument vor dem Orchester steht und besonders viel zu tun hat, kommt es irgendwann zu diesem einen Moment, kurz vor Schluss eines Ecksatzes: Fast immer macht das Orchester »Halt!« auf einem Quartsextakkord, einem Akkord, der – kurz gesagt – gewisse, anerzogene Erwartungshaltungen hervorkitzelt, […]

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Quartvorhaltsschleife, Alberti-Bass und Kadenz-Abschluss-Triller

Knisterndes Bonbonpapiergeräusch im schönsten Mahler-Pianissimo, Husten in die heilige Bruckner-Symphonie-Generalpause hinein, mitfilmende iPhone-Ignoranten beim Einsatz der berühmten Solistin in Tschaikowskys Violinkonzert: Viele Dinge der »Klassik-Szene« nerven. Aber wie schaut es eigentlich mit klassikimmanenten Phänomenen aus, mit Floskeln, die sich häufig interesselos wie von selber abspulen? Ein Ranking der zehn ausgelutschtesten Stilmittel Platz 10: Die Quintfall-Sequenz […]

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Flottes Adagio

Ich persönlich war nie ein Fan der langsamen Sätze von Symphonien oder Klaviersonaten. Die schnellen Ecksätze von Werken in Sonatenhauptsatzform oder Ähnlichem rockten für mich einfach mehr. »Ballern, ich wollte ballern!«, so sagte es mal jemand – ich glaube, es war ein Boxer. Mit zunehmendem Alter regiert allerdings zunehmend die Einsicht, man solle auch einmal […]

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