Wagners Ring kann man wie Mozart spielen – und das sollte man vielleicht auch. Das ist die Lektion dieses Rheingold mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, inszeniert von Kirill Serebrennikov, das gestern bei den Salzburger Osterfestspielen Premiere hatte. Es war eine höchst kammermusikalische Aufführung. Die Ouvertüre wird oft als Ursuppe serviert, was inhaltlich legitim […]
Schlagwort: Richard Wagner
»Auch das geht vorüber.«
Lange bevor ich alkoholabhängig wurde – lange, bevor ich überhaupt Alkohol probiert hatte –, war ich süchtig nach Musik. Seit ich mit zehn Jahren die Lacrimosa aus Mozarts Requiem entdeckt hatte und mit ihr auch die stimmungsverändernde Wirkung von Musik, missbrauchte ich sie wie ein abgebrühter Junkie: Sie wurde mein Werkzeug, um Gefühle zu regulieren, […]
»Es war mir natürlich etwas peinlich, aber ich blieb sowohl gegen die Beatles als auch gegen die Stones völlig gleichgültig.«
Earl Wilson, der amerikanische Kolumnist, schrieb einmal folgenden Satz: »Schnee und Pubertät sind die einzigen Probleme, die verschwinden, wenn man sie lange genug ignoriert.« So sehr mir der Satz gefällt, so wenig lässt er sich auf meine eigene Adoleszenz anwenden: Ich hatte irgendwie keine Pubertät, es hing mit der kirchlich durchgetakteten, mit Ritualen und heidnischen […]
Gralsritter der Kokosnuss
An den Moment der Gralsenthüllung darf man hier, in der Stadt des weltberühmten Genter Altars, der ursprünglich nur dreimal im Jahr zu den höchsten christlichen Festen geöffnet wurde (eine überwältigende Wirkung muss das gewesen sein), wohl die allerhöchsten Erwartungen haben. Doch im Genter Opernhaus – das mit dem dortigen Musikfestival nichts zu tun hat – […]
Bar jeder Vernunft
Dem amerikanischen Baritenor Michael Spyres verdanke ich einen der musikalischen Höhepunkte dieses Festivalsommers: Er trat als Walther von Stolzing in der Bayreuther Neuproduktion der Meistersinger von Nürnberg unter der Regie von Matthias Davids und der musikalischen Leitung von Daniele Gatti auf. Zuerst hielt ich die Wahl dieses Interpreten einfach für einen geglückten Griff in die […]
›Ring‹ ohne Regie
Als Richard Wagners Bayreuther Festspielhaus 1876 eröffnete, war es technisch auf dem allerneueste Stand: Von seinem überdachten Orchestergraben bis hin zur hochmodernen Beleuchtung und Bühnentechnik sollte die Ausstattung des Hauses den künstlerischen Innovationen des Komponisten gerecht werden. Dem ersten Ring, der das Festspielhaus einweihte, sind mittlerweile 14 weitere Inszenierungen gefolgt. Die nächste kommt im Sommer […]
Nornen im Kinderzimmer
Ein ausgesprochen vernünftiger, dennoch häufig missachteter Gedanke ist es, den Matthias Davids, Regisseur der diesjährigen Bayreuth-Premiere, im Münchner Merkur-Interviewformulierte: »Man sollte als Regisseur ehrlich zu sich und dem Publikum sein, denn wirklich clever ist man nur, wenn man die clevere Idee auch wieder verwirft, wenn sie nicht trägt.« Davids’ redlich poppige, nicht unsympathische, etwas harmlose […]
Wenn Beckmesser der Nationalkuh den Stecker zieht
Nanu, was ist denn das für eine List oder ein Scherz des Wahns? Dass ausgerechnet jetzt, da erstmals ein Kanzler Merz die Bayreuth-Eröffnung beehrt, ein Hans Sachs auf der Bühne zu erleben ist, der wie ein spannenlanger Hagestolz wirkt? Und dass vor den Augen eines Kulturstaatsministers Weimer eine Inszenierung stattfindet, die überreich scheint an gedanklicher […]
Jeden Tag ein ›Parsifal‹
David Blaine saß 44 Tage lang in einer Box aus Plexiglas. Sir Ranulph Fiennes durchquerte zu Fuß die Antarktis. Ich habe in 30 Tagen alle Aufnahmen gehört, die es vom Parsifal auf Spotify gibt. Nach etwa 7.500 Minuten theosophischer Erlösung bin ich … unentschlossen. Ich denke: »Parsifal ist das Beste, was ja geschrieben wurde!« und […]
Seid umschlungen, irgendwie [Post aus Wien #7]
Die Post aus Wien kommt heuer nur fast von da, nämlich aus der burgenländischen Mini-Metropole Eisenstadt, in der, nach dem bekannten Zitat des großen Haydn, er original werden musste. Ich liebe diesen Satz, deshalb kommt er hier einmal ganz: »Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als Chef eines […]
