Veröffentlicht inHundert 11

Nornen im Kinderzimmer

Ein ausgesprochen vernünftiger, dennoch häufig missachteter Gedanke ist es, den Matthias Davids, Regisseur der diesjährigen Bayreuth-Premiere, im Münchner Merkur-Interviewformulierte: »Man sollte als Regisseur ehrlich zu sich und dem Publikum sein, denn wirklich clever ist man nur, wenn man die clevere Idee auch wieder verwirft, wenn sie nicht trägt.« Davids’ redlich poppige, nicht unsympathische, etwas harmlose […]

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Wenn Beckmesser der Nationalkuh den Stecker zieht

Nanu, was ist denn das für eine List oder ein Scherz des Wahns? Dass ausgerechnet jetzt, da erstmals ein Kanzler Merz die Bayreuth-Eröffnung beehrt, ein Hans Sachs auf der Bühne zu erleben ist, der wie ein spannenlanger Hagestolz wirkt? Und dass vor den Augen eines Kulturstaatsministers Weimer eine Inszenierung stattfindet, die überreich scheint an gedanklicher […]

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Jeden Tag ein ›Parsifal‹

David Blaine saß 44 Tage lang in einer Box aus Plexiglas. Sir Ranulph Fiennes durchquerte zu Fuß die Antarktis. Ich habe in 30 Tagen alle Aufnahmen gehört, die es vom Parsifal auf Spotify gibt. Nach etwa 7.500 Minuten theosophischer Erlösung bin ich … unentschlossen. Ich denke: »Parsifal ist das Beste, was ja geschrieben wurde!« und […]

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Seid umschlungen, irgendwie [Post aus Wien #7]

Die Post aus Wien kommt heuer nur fast von da, nämlich aus der burgenländischen Mini-Metropole Eisenstadt, in der, nach dem bekannten Zitat des großen Haydn, er original werden musste. Ich liebe diesen Satz, deshalb kommt er hier einmal ganz: »Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als Chef eines […]

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Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Monddeck

Manchmal gibt es in der Welt der Oper (Wieder-)Begegnungen mit Inszenierungen, die alle leidigen Diskussionen über Regie-, Nichtregie- oder Regisseurstheater, über Werktreue oder Werkattentate vollkommen nichtig erscheinen lassen. So geht es mir mit Arbeiten von Ruth Berghaus, die bald dreißig Jahre tot ist. Im vergangenen Jahr verzauberte ihre Einrichtung von Rossinis Barbier von Sevilla von […]

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Eine Geschichte von Herrn K.

In Brechts bekanntester Geschichte von Herrn K. begrüßt ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hat, diesen mit den Worten, er habe sich gar nicht verändert, worauf K. erbleicht. Am Dortmunder Opernhaus wurde am Wochenende der Herr K. des deutschen Regietheaters gewürdigt: Intendant Heribert Germeshausen verband die sechste Ausgabe seines Wagner-Kosmos, bei dem tagsüber […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Wird Neues geschafft?

Das Wochenende habe ich, vier Tage hintereinander, mit Musiktheater verbracht. In der Kölner Philharmonie war Wagners Siegfried in historisch informierter Aufführungspraxis zu erleben, Kent Nagano dirigierte, es spielte das Dresdner Festspielorchester zusammen mit Concerto Köln, konzertant. An der Brüsseler Monnaie zeigen der Regisseur Rafael R. Villalobos und die Cappella Mediterranea des Alte-Musik-Spezialisten Leonardo García Alarcón […]

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Gusto aufs totale Liebestod-Weekend

Eine Reise ins schöne Lübeck lohnt musikalisch nicht nur wegen der bemerkenswerten Tristan und Isolde-Aufführungen, die dort seit der Premiere im Februar zu sehen sind. Jeweils am Vorabend von Richard Wagners großem Liebestoddrama läuft dort überdies, seit März, auch Frank Martins Tristan-et-Isôt-Version Der Zaubertrank (Le vin herbé). Nannte Wagner sein Werk schlicht »Handlung«, so bezeichnete […]

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»Die Klassik-Institutionen sind auf einem ganz falschen Weg, wenn sie ihr altes Publikum zum Problem erklären.«

Wolfgang M. Schmitt, Jahrgang 1988, ist vor allem mit seinem YouTube-Kanal Filmanalyse (seit 2011) bekannt geworden. Er schrieb und schreibt für diverse Magazine und Zeitungen. Schmitt ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschien aus seiner Feder – zusammen mit Ole Nymoen – das Buch Influencer. Die Ideologie der Werbekörper (2021). Mit besagtem Ole Nymoen betreibt der […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Ost.Ende. Blick aufs Meer

Grau. Endlos. Ewig. Dauernd bewegt und doch einfach da. Es sieht etwa aus wie das Meer, wie man es vom Strand von Ostende aus sieht. Darauf, in Milliarden Pixeln überwältigend realistisch projiziert, schaut Tristan, Insasse einer Heilanstalt, in der man sich vergeblich um ihn bemüht. Ihm ist ja nicht zu helfen. Er schaut seiner eigenen […]

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