Veröffentlicht inThe Society of Music

Problem Fidelio

Beethoven ist tot, schreibt der ukrainische Regisseur Andriy Zholdak im Programmheft des neuen Amsterdamer Fidelio. Das Stück, das anderswo unter diesem Titel läuft, hat er konsequent gestrichen. Wenn Anna El-Khashem als ziemliches Marzelline-Luder ihr aussichtsloses Beziehungsgespräch mit dem unbedarften Jaquino hat, haben wir schon mindestens zehn Bilder (die Ouvertüre) und eine Astrophysiker-Konferenz (ein Vorspiel als […]

Veröffentlicht inInterpretationsvergleich

Non plus ultra

»Der Verfasser dieser Zeilen sitzt nun abgekühlt am Schreibepulte, doch unvergesslich wird ihm dieser Moment bleiben; Kunst und Wahrheit feiern hier ihren glänzendsten Triumph – und mit Fug und Recht könnte man sagen: non plus ultra! – Wem möchte es wohl gelingen, diese unnennbare Stelle noch zu überbieten?« Der anonyme Rezensent des Jahres 1824, der […]

Veröffentlicht inHundert 11

Effekt ohne Haschmich

Elisabeth Leonskaja ist zum Glück höchst lebendig. Am Berliner Konzerthaus gibt es neben der jeweiligen Residence eines verhältnismäßig jungen Künstlers (in dieser Saison des Geigers August Hadelich) regelmäßig konzentrierte Hommages an, sagen wir mal, große Alte. Die müssen gar nicht mehr sehr aktiv sein. Im Fall von Alfred Brendel spielten vorwiegend junge, von ihm geförderte […]

Veröffentlicht inPlaylist

Das fängt ja gut an

Die besten acht Anfangsakkorde der klassischen Musik – für mehr Schwung, aber auch mehr Zauber und Besinnlichkeit zum Beginn dieses neuen Jahres.  Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia concertante für Violine und Viola Es-Dur, K. 364 (1779) Wahrscheinlich könnte man diese ganze Playlist auch nur mit gelungenen Stückanfängen aus Es-Dur-Dreiklängen füllen. Wagner zieht zu Beginn des Rheingold […]

Veröffentlicht inHundert 11

Entfaltend

Diese Euphorie möchte man keinesfalls knicken. Und das nicht etwa, weil »Berlins erste Chefdirigentin« Schutz bräuchte, sondern einfach, weil der Enthusiasmus von Orchester, Dirigentin und sich drängendem Publikum derart ansteckend ist. Selbst die Philharmonie, wo das Konzerthausorchester im Rahmen des Musikfests Berlin ein Gastspiel gibt, ist knallvoll. Das ist auch absolut berechtigt: nicht nur, weil […]

Veröffentlicht inInterview

»Den späten Beethoven langsam zu spielen, ist eine Frage der Ideologie«

Werden die Ausdrücke »Beethoven« und »zu langsam« in einem Atemzug genannt, geht es meist gerade um dessen schnellen Sätze mit ihren ambitionierten Metronomangaben. Der Musikwissenschaftler und Pianist Marten Noorduin, der über Beethovens Tempoangaben promoviert hat, wundert sich jedoch vor allem über das omnipräsente Zu-langsam-Spielen gerade der langsamen Sätze im Spätwerk Beethovens. Seine These: Der Komponist […]

Veröffentlicht inInterpretationsvergleich

Bumm!

»Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 0–7«. Mit dieser im positiven Sinne provokanten Überschrift veröffentlichte Pianist Michael Korstick im Mai 2022 ein Album, auf dem sich eben nicht nur die bekannten fünf Klavierkonzerte Beethovens wiederfinden, also nicht »lediglich« die Nummern 1 C-Dur op. 15 (1795–1801), 2 B-Dur op. 19 (1788–1801), 3 c-Moll op. 37 (1800–1803), 4 […]

Veröffentlicht inEssay

Beethoven ohne Puls

Als VAN mich bat, eine Rezension zu einer von einer künstlichen Intelligenz geschaffenen Version der zehnten Symphonie von Beethoven (basierend auch den  dürftigen Skizzen, die der Komponist vor seinem Tod niedergeschrieben hat, und getauft auf den Namen Beethoven X: The AI Project) zu schreiben, reagierte ich, um ehrlich zu sein, sehr verhalten. »Das ist nichts […]

Veröffentlicht inInterview

Knabbern an der Widerständigkeit

»Er ist ein guter Pianist, aber er inspiriert mehr Fragen als Antworten«, schreibt ein Musikkritiker der Washington Post über ein Konzert des Pianisten Herbert Schuch. Dabei würde statt »aber« mit einer Kausalkonjunktion ein Schuh draus. Schuchs Klavierspiel zeichnet eine feine Innerlichkeit aus, die dem Hörer keine Interpretation um die Ohren haut, sondern zu offener Rezeption […]

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