»Der Verfasser dieser Zeilen sitzt nun abgekühlt am Schreibepulte, doch unvergesslich wird ihm dieser Moment bleiben; Kunst und Wahrheit feiern hier ihren glänzendsten Triumph – und mit Fug und Recht könnte man sagen: non plus ultra! – Wem möchte es wohl gelingen, diese unnennbare Stelle noch zu überbieten?« Der anonyme Rezensent des Jahres 1824, der hier seinen Emotionen beim ersten Einsatz des Chores in Ludwig van Beethovens neunter Symphonie freien Lauf lässt, hat diesen einen Augenblick wahrscheinlich wirklich nie vergessen. Und wer käme selbst heute, in Zeiten der Allverfügbarkeit tausender Aufnahmen des Stückes, darauf, Körper und Geist könnten angesichts des Live-Erlebens der Neunten ungerührt bleiben?
Fast genau 200 Jahre ist es her, dass Beethovens Symphonie No. 9 uraufgeführt wurde. Es war am 7. Mai 1824 im Theater am Kärtnertor in Wien. Ein legendäres Stück Musik, mit fast noch legendärerer Rezeptionsgeschichte, filmisch, politisch. Aber welche ist eigentlich die überzeugendste Aufnahme von »Beethoven 9«?
Die 200-Jahr-Feier eines Stückes also, das ohnehin bis heute zu den größten Feierlichkeitsanlässen aufgeführt wird. Das Jahr 1824 war dabei für den Komponisten selbst ein äußerst zwiespältiges. Einerseits der Rau(s)ch der großen Uraufführungen, die der Neunten in Wien am 7. Mai 1824 sowie die der Missa solemnis genau einen Monat zuvor, am 7. April 1824 in Sankt Petersburg. In diesem Jahr schrieb der 54-jährige Beethoven in einem Brief: »Ich muß doch dem Himmel danken, der mich so segnet in meinen Werken, daß ich zwar nicht reich, aber doch in stande gesezt worden bin, durch meine Werke für meine Kunst leben zu können.« Andererseits hatte Beethoven mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Profanität des Alltags, Medikamente, Sorgen um den zerfallenden Körper. Und dann diese Musik auf der anderen Seite, von der Beethoven ahnen durfte, dass sie wirklich ewig ist – und sein wird.

