Beethoven ist tot, schreibt der ukrainische Regisseur Andriy Zholdak im Programmheft des neuen Amsterdamer Fidelio. Das Stück, das anderswo unter diesem Titel läuft, hat er konsequent gestrichen. Wenn Anna El-Khashem als ziemliches Marzelline-Luder ihr aussichtsloses Beziehungsgespräch mit dem unbedarften Jaquino hat, haben wir schon mindestens zehn Bilder (die Ouvertüre) und eine Astrophysiker-Konferenz (ein Vorspiel als vorgeschalteter Bonus-Track) hinter uns. Eine Wissenschaftlerin, die aussieht wie später die Gatten- und Menschheitsbefreierin Leonore, informiert, dass ein großes schwarzes Loch auf die Erde zurast, dass dies den Planeten existenziell bedrohe und man im Augenblick auch nicht mehr beziehungsweise weiter wisse. Das ist natürlich, zugespitzt, die Lage, und der Regisseur hat da einen Punkt, denn die Frage liegt auf der Hand: was wir mit Beethovens quasikosmischer Befreiungsmission, mit dem hohen Ton der Hoffnung machen, wo es jeden Tag von allen Seiten schwarze Löcher hagelt und die Menschheit auch nicht weiter weiß.
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