Ein trantütiger ›Tristan‹ grenzt an Regieverbrauchertäuschung. Für einen quickfidelen ›Tannhäuser‹-Klassiker scheint sich der Publikumswunsch nach Lebensverlängerung zu erfüllen. Und die beste Promi-figura machen nicht Söder oder Roth, sondern Martha Argerich und Roberto Blanco: Bei den Bayreuther Festspielen 2024 gab’s wieder mal die ganze Palette. In Bayreuth gibt es keine Stille vor der Musik. Das ist […]
Autoren-Archive: Albrecht Selge
… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹.
Kein »und«, nirgends
No sleep till Bayreuth, last Tristan before Festspiele (alles Wichtige von dort dann in der VAN-Ausgabe am 7. August). Die Deutsche Oper Berlin zeigt zum Saisonschluss nochmal ihren Tristan in der Graham-Vick-Inszenierung von 2011, die mittlerweile ein Lieblingsgrollobjekt der »Das steht aber nicht im Libretto!«-Wagnerianer ist; für mich gehört sie zum Sinnigsten und Berührendsten, was […]
Walomat: neutral
Gleich zwei mächtigen Meeressäugern finden sich hier Musik und Bühne gegenüber: Da ist zum einen der zugrundeliegende, 1989 auf Ungarisch erschienene Roman Melancholie des Widerstands von László Krasznahorkai, einem Schriftsteller von Weltrang, wie man so sagt. Und zum anderen der nach demselben Buch entstandene Béla-Tarr-Film Die Werckmeisterschen Harmonien, der auf der BBC-Liste der 100 bedeutendsten […]
Stream of Gerümpelness
Ob es irgendwann eine große Oper über handelnde Gestalten unserer Zeitgeschichte geben wird? Donald Trump und Wladimir Putin vielleicht? Aufhänger gäbe es. In musikalischer Hinsicht spezifische Sprachmuster. In dramatischer Hinsicht beim einen die skurrile Medienfixierung, beim anderen die wahnhafte Geschichtsphilosophie. Beides erinnert durchaus an zwei der sechs Hauptprotagonisten von John Adams’ Oper Nixon in China […]
Wolfseulig
Dass ausgerechnet Musiker aus Salzburg den guten jungen Felix Mendelssohn Bartholdy nach Berlin bringen, das hat was von Eulen nach Spree-Athen … egal, lassen wir das. Jedenfalls gehört Mendelssohn unbedingt und immer wieder ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt, unweit der Leipziger Straße 3, wo einst das Familienpalais stand, und der Jägerstraße mit dem ehemaligen Bankhaus, in […]
Mondfeierlich
Jubiläumssaison-Zielgerade beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit einer überraschenden, auf paradoxe Weise meditativ-spannenden Programmidee. Wobei man dazu vorab gleich zweierlei sagen muss: Erstens, dass »Jubiläen« eine flexible Angelegenheit sind, von der sich in Kettensätzen sprechen lässt: Das RSB wurde zum Beispiel deshalb in dieser laufenden Saison einhundert Jahre alt, weil es seine Geburtsstunde listig auf den 29. […]
Zerschmetterer und Schmetterling
Das privat initiierte Klavierfestival Berlin, das derzeit stattfindet, hat seine Daseinsberechtigung im Mangel: Hier ist pianistisch zu erleben, was anderswo fehlt. Das gilt auch für das zweite und dritte von fünf Konzerten in diesem Jahr. Die Französin Lise de la Salle ist eigentlich weithin bekannt, aber in Berlin solistisch doch eine erstaunliche Seltenheit, wie viele […]
Positivitätswalzend
Das Konzertleben ist eine Baustelle. Gerade in Berlin, wo es doch von allem so viel zu geben scheint, existieren bemerkenswerte Leerflächen. So kann es kommen, dass ein angesagter Pianist wie Alexander Krichel, der wenige Tage zuvor noch in der Elbphilharmonie zu erleben war, hierzustadt nicht etwa im Kammermusiksaal der Philharmonie auftritt, sondern im urigen Pianosalon […]
Schieffliegend
Das standardigste aller Standardkonzerte (Ouvertüre, Solokonzert, SINFONIE) kann in schöne Schieflage geraten, wenn eine Nummer von Beethoven dabei ist. Und so wird im jüngsten Konzert des Deutschen Symphonieorchesters in der Berliner Philharmonie daraus eben: Ouvertüre, Sinfonie, BEETHOVEN-SOLOKONZERT. Das einschlägige Violinkonzert überstrahlt auch dank der Solistin den ersten Raritäten-Teil des Programms heller, als es in der […]
Vögelnde Strauße, oiseaux tristes
Nicht um ein Nichts, ein gar Nichtiges, dreht es sich in diesem Stück, sondern um unsere Träume und Sehnsüchte in diesem uns zermürbenden, ertränkenden Alltag, der die Liebe abschleift zu nickligem, kein Ende mehr nehmendem Aneinanderhadern. Gibt es denn Traurigeres, wenn man so recht darüber nachdenkt? Der Ruf kompletter Belanglosigkeit freilich eilt dem selten bis […]
