Dass ausgerechnet Musiker aus Salzburg den guten jungen Felix Mendelssohn Bartholdy nach Berlin bringen, das hat was von Eulen nach Spree-Athen … egal, lassen wir das. Jedenfalls gehört Mendelssohn unbedingt und immer wieder ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt, unweit der Leipziger Straße 3, wo einst das Familienpalais stand, und der Jägerstraße mit dem ehemaligen Bankhaus, in dem sich heute die öffentliche »Mendelssohn-Remise« befindet.
Und der Repertoirewert von Mendelssohns 1. Sinfonie c-Moll Opus 11 ist hoch; höher als der vielgespielte Schumann-Knaller mit Starsolistin, den die Camerata Salzburg im zweiten Teil aufführen wird. Diese Erste, von Mendelssohn 1824 als 15-Jähriger komponiert und später als »kindisch« bezeichnet, ist ein Vergnügen. Man gönnt ihrer Verve von Herzen den großen Vorhang von Beethovens Coriolan-Ouvertüre, mit dem die Camerata den Konzertabend eröffnete. Deren Brio-Rausch, ansonsten für heutige Ohren oft zum Klischee verkommen, wirkt hier elektrisierend belebt. Nicht zuletzt, weil das schlanke Ensemble im Stehen und ohne Dirigent spielt, vielmehr vom agilen Konzertmeister gelenkt wird. Das verleiht den unerbittlichen Schlägen des Schicksals und auch dem verzagenden, sterbenden Schluss gesteigerte dramatische Präsenz, auch sowas wie die Intensität des Riskanten; das kontrastierende zweite Thema blüht umso inniger.

