Ob es irgendwann eine große Oper über handelnde Gestalten unserer Zeitgeschichte geben wird? Donald Trump und Wladimir Putin vielleicht? Aufhänger gäbe es. In musikalischer Hinsicht spezifische Sprachmuster. In dramatischer Hinsicht beim einen die skurrile Medienfixierung, beim anderen die wahnhafte Geschichtsphilosophie. Beides erinnert durchaus an zwei der sechs Hauptprotagonisten von John Adams’ Oper Nixon in China (Libretto: Alice Goodman): hier der vom mystery der news singende Richard Nixon, dort der in anderen Sphären philosophierende Mao Tse-tung (dessen Denken allein in der »Kulturrevolution«, einer Vermengung historischer Vision mit schnöder Machtpolitik, zu Millionen Todesopfern führte).
Aber manches müsste eben auch völlig anders sein in dieser zukünftigen Oper unserer beklemmenden Gegenwart: nihilistischer statt eschatologischer Zynismus, keine Begegnung, kaum mehr Hoffnung. Denn ein Gran Hoffnung steckt ja in John Adams’ soghafter Politsause von vor 40 Jahren: der Oper Nixon in China, die 1987 in Houston uraufgeführt wurde und von dem epochalen ersten Staatsbesuch eines US-Präsidenten in China fünfzehn Jahre zuvor berichtet. Durch eine Kunstbrille, die das alles als ein so faszinierendes wie skurriles Ereignis des unmöglichen Begegnenwollens begreift. Und genau dieses längst existierende Werk wurde jetzt endlich zum ersten Mal auf einer Berliner Bühne szenisch aufgeführt. (Eine konzertante Aufführung gab es schon mal 2012, mit dem BBC Symphony Orchestra und von Adams persönlich dirigiert, u.a. mit Gerald Finley als Premierminister Chou En-Lai.)

