Nicht um ein Nichts, ein gar Nichtiges, dreht es sich in diesem Stück, sondern um unsere Träume und Sehnsüchte in diesem uns zermürbenden, ertränkenden Alltag, der die Liebe abschleift zu nickligem, kein Ende mehr nehmendem Aneinanderhadern. Gibt es denn Traurigeres, wenn man so recht darüber nachdenkt? Der Ruf kompletter Belanglosigkeit freilich eilt dem selten bis nie gespielten Strauss-Stück Intermezzo von 1924 zuverlässig voraus: dieser heiteren Ehezwist-Nabelschau, in der Richard zu Robert und Strauss zu Storch wird etc pp. Aber dann, da es doch einmal gespielt wird, an der Deutschen Oper Berlin, amüsiert es das Publikum eben doch nicht bloß, sondern belangt es. Bei allem Gelächter.

Etwa wenn Marie Bengtsson als Kapellmeister-Gattin Christine animiert Ein hübscher Mann singt, im ersten Akt, allein daheimgelassen von ihrem selbstgefälligen Mann (dem soliden Philipp Jekal) und sich nun ein wenig in einen schludrigen jungen Baron verguckend, den Thomas Blondelle schön unseriös-viril verkörpert. Marschallin-Sehnsucht liegt darin, Wehmut nach Jugend. Nur eben unverstellter als im Rosenkavalier, direkter. Es ist ja unser eigenstes Weh, nicht das einer Hochadligen aus ominösem wienerischen Als-ob-Settecento. Da spürt man ebenso wie im Finale des zweiten Akts, dass großer Straussgesang Bengtssons Domäne ist, betörende Höhen, überwältigende Gefühle. Nur mit dem Durchdringen ist es so eine Sache; denn Bengtsson hat zwar die bei Weitem »größte« Stimme auf dieser Bühne, aber eben nicht die voluminöseste. Dennoch wirkt sie auf den Höhepunkten des Stücks elektrisierend.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com