Das standardigste aller Standardkonzerte (Ouvertüre, Solokonzert, SINFONIE) kann in schöne Schieflage geraten, wenn eine Nummer von Beethoven dabei ist. Und so wird im jüngsten Konzert des Deutschen Symphonieorchesters in der Berliner Philharmonie daraus eben: Ouvertüre, Sinfonie, BEETHOVEN-SOLOKONZERT. Das einschlägige Violinkonzert überstrahlt auch dank der Solistin den ersten Raritäten-Teil des Programms heller, als es in der Programmierung gemeint gewesen sein dürfte. Aber am Ende doch eben derart hell, dass es dann wieder gut ist.

Am Anfang steht die 1834 entstandene Ouvertüre es-Moll von Louise Farrenc. DSO-Berichte haben es in dieser Saison an sich, dass man jedes Mal erwähnen muss, dass es hier 2023/24 kein Konzert ohne mindestens ein Werk einer Komponistin gibt. Farrencs Ouvertüre, ein reines Konzertstück, ist auch in Feuer und Dramatik geschmeidig konstruiert, ganz prima. Aber wie häufig kippt doch eine eröffnende Ouvertüre im – egal wie schiefliegenden – Standardkonzert in der Wahrnehmung hintenüber? Zugegeben, es muss nicht so sein. Letzte Woche fand beim DSO ein französisches Konzert statt, dem meine 14-jährige Tochter ihre rare Audienz gewährte, um hernach die Frage nach ihrem Lieblingsstück nicht erwartungsgemäß mit Hector Berlioz’ Fantastique oder etwa Henri Dutilleux’ Tout un monde lointain zu beantworten, sondern: »Das Stück von der Frau.« Bei welchem es sich um D’un soir triste von Lili Boulanger handelte.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com