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Die Leuchte ist schon auf dem Recyclinghof

Ist es nicht eine generelle Schieflage, dass in der Welt der Oper andauernd über Premieren gesprochen und geschrieben wird und fast nie über Dernièren? Fließen denn nicht bei den Letztaufführungen langjähriger Inszenierungen viel mehr Tränen? Vor dankbarer Trauer bei denjenigen, denen die Arbeit etwas bedeutete. Und vor Freude bei denen, die sich darüber ärgerten. Und […]

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Am Ende trotzt ein guter Stern

Der Engel der Geschichte, von dem Walter Benjamin schreibt, sieht erstaunlich putzig aus. Zumindest, wenn man den Blick mal unbefangen auf Paul Klees Angelus Novus wirft, jenes gut DIN-A-4-große Aquarell von 1920, das Benjamin gehörte und ihn zu seiner allegorischen Gestalt des Fortschritts als eines Sturms jenseits von Eden inspirierte: Es gibt ein Bild von […]

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Entspielend

Einer der zu wenig beachteten Gründe, warum Gegenwartsoper kaum je so reinknallt wie die Ewigen Repertoire-Rosse (oder heißt es Rösser?), ist das Fehlen von Pausen. Die meisten Gegenwartskomponierenden spulen stringentes äußeres oder inneres Drama, straffe 100 Minuten am Stück, wie ein konziser Kinofilm. Künstlerisch oft verständlich, aber das Opernerlebnis nimmt sich damit auch aus der […]

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Option, Drama, Zustand

Für Symphomanen und Brucknerados hat der wie üblich grauselige Berlin-Dezember nochmal das philharmonische Füllhorn geöffnet: in der ersten Adventswoche die Zweite, in der zweiten die Achte, in der dritten die Neunte. Das heißt zweimal c-Moll und einmal d-Moll, bei abnehmender harmonischer Orientierungs- und Bindungskraft. Und das Ganze mit drei völlig unterschiedlichen dirigentischen Temperamenten. Der Abend […]

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Im Schmidtfluss badend

Schmidt*150 wäre in diesem sich dem Ende nähernden Jahr dann doch zu weit gegangen. Wo selbst Schönberg*150 und Faure†100 und Ives*150/†70 nur eher Mittelwellen schlugen und wo Bruckner und Puccini sowieso ständig stattfinden, drauf gepfiffen, ob nun 200. Geburts- oder 100. Todestag oder nicht: Da hätte eine Abfeierung des 1874 geborenen österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Schmidt […]

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Unfassbares fassen

Wenn eine Sache mit nordischen Familienfeiern anfängt, weiß man bereits, dass sie schiefgehen muss. Thomas Vinterbergs Film Das Fest wurde vor 25 Jahren zum Klassiker des Verwandtschafts-Meltdowns. Und in Lars von Triers apokalyptisch-visionärer Depressionsfabel Melancholia ist die komplette erste Hälfte einer fehlgehenden Hochzeitsparty gewidmet: Darin misslingt schon zu Beginn die Anfahrt des Brautpaars, weil die […]

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Novembersonnig

November ist Brahmszeit. Natürlich existiert auch ein Brahms für jeden anderen Monat. Aber Wahrhaftigeres zum Totensonntag als Ein deutsches Requiem gibt es kaum; und die späten Klarinettensachen sind doch das Novembrigste, das sich denken lässt. Selbst wenn die Klarinette mal gar nicht vorkommt, wie in den Alternativfassungen der Sonaten Opus 120, die Brahms persönlich auch […]

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Kinder am Rande des Nervenzusammenbruchs

Kinderoper ist eine schöne Herausforderung. Einerseits kann man diesem jungen Publikum, das bei Misslingen stets zur Ablenkung bereit ist, kein X für ein U vormachen; und man darf auch nicht auf überzüchtetes geduldiges Sitzfleisch spekulieren, wie es bei gelangweilten Erwachsenen oft möglich ist, zumal bei leidgeprüften Operngängern. Andererseits ist die Verlockung zur anbiedernden Seichtigkeit groß, […]

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Auferstehung zum Abschied

Das war’s schon wieder: Nach gut sieben Jahren als Chefdirigent gibt Robin Ticciati seinen Ausstand beim Deutschen Symphonie-Orchester. Es ist nicht so, dass man ihn in Berlin satt hätte, im Gegenteil. Mit seiner Mischung aus musikalischer Ernsthaftigkeit und menschlicher Sanftmut, auch schüchternem Charme hat das Publikum Ticciati ziemlich liebgewonnen. Eher könnte man fragen, ob diese […]

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Fegefeuer in Rheingoldstadt

Es weckt Staunen übers eben Gesehene und gespannte Erwartung aufs Kommende, was hier alles gelingt. Und das, obwohl Dirigent Vladimir Jurowski und Regisseur Tobias Kratzer einiges dafür investiert haben, dass die Sache schon zum Vorabend des neuen Münchner Ring des Nibelungen kolossal schiefgehen müsste. Zumindest könnte. Nein, müsste. Denn der eine dirigiert in Zeitlupe, der […]

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