Veröffentlicht inHundert 11

Schürzenjagd im Zwischenreich der Seele

Stringenz ist in Regiearbeiten von Kirill Serebrennikov nicht zu erwarten, dafür die Plausibilität des intensiven Moments, im besten Fall eindringlicher halber Stunden. Das gilt nicht nur für seine Inszenierungsserie der Mozart/Da-Ponte-Opern, die jetzt an der Komischen Oper Berlin mit Don Giovanni ihren Abschluss findet; so war es auch in Serebrennikovs Wiener Parsifal. Dessen erzählerischer Bogen […]

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»Wenn das Thema erklingt, hat Annie Fischer schon eine ganze Welt aufgebaut.«

»Die Präsenz von Mikrofonen beunruhigte sie und störte ihre Affinität zum Spontanen«, schreibt János Mácsai über die Pianistin Annie Fischer. Trotz – oder gerade wegen? – ihrer Angst vor der Aufnahmesituation, ihrer Liebe zum Live-Konzert und vor allem aufgrund der sprudelnden Frische ihres Klavierspiels, ihrer vermittelten Authentizität im Erfühlen der Werke Mozarts, Beethovens und Schuberts […]

Veröffentlicht inHundert 11

Erwartbar Wundervolles zuerst

Repertoire für Orchesterreisen ist immer so eine Frage. Französische Programme für französische Orchester oder finnisches für finnische: meist eine sichere Sache. Andererseits, eine der furchtbarsten Tschaikowsky-Aufführungen meines Lebens habe ich mal von einem russischen Orchester gehört. Und es kann auch gerade reizvoll sein, in Deutschland mal Brahms zum Beispiel von einem italienischen Orchester zu hören. […]

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Mozart schnipp schnapp

Wie eine Geschichte endet, wer gewinnt und wer zur Hölle fährt, entseelt zu Boden sinkt, in die Wolga geht oder von der Engelsburg springt oder anders stirbt oder aufersteht, wer König wird und die Prinzessin bekommt und das halbe Königreich dazu, ob sich ein Paar kriegt oder nicht ­– all das ist ja durchaus nicht […]

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Farben und Fetzen

Man hört manchmal desillusionierende Geschichten aus großen Symphonieorchestern oder führt nette Zufallsgespräche mit diesem oder jenem Hinterbänkler, da kann es einem mitunter deprimiert den Rücken runterlaufen: Kunstdienst nach Vorschrift, strikte Beschränkung aufs eigene Handwerk. Was wollen solche Fachleute von der Musik? Über den eigenen technischen Spezialbereich hinaus null Interesse am Musikleben (und der Welt im […]

Veröffentlicht inHundert 11

Am Ende trotzt ein guter Stern

Der Engel der Geschichte, von dem Walter Benjamin schreibt, sieht erstaunlich putzig aus. Zumindest, wenn man den Blick mal unbefangen auf Paul Klees Angelus Novus wirft, jenes gut DIN-A-4-große Aquarell von 1920, das Benjamin gehörte und ihn zu seiner allegorischen Gestalt des Fortschritts als eines Sturms jenseits von Eden inspirierte: Es gibt ein Bild von […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Pichon

Prüfet alles und behaltet das Gute: So steht es bei Paulus an die Thessalonicher. Es ist die Jahreslosung der Evangelen für 2025. Die haben mich sonst eher wenig interessiert; diese aber blieb hängen. Es ist die schöne Idee, dass man sich vom Unguten verabschieden nicht nur sollte, sondern auch könnte. Der griffige Satz taugt außerdem […]

Veröffentlicht inInterview

»Es kann passieren, dass einen die Schönheit von Bach erst später im Leben trifft, wie ein Blitz.«

Masato Suzuki war beim Bach Collegium Japan erst Cembalist, mittlerweile leitet er das Ensemble und beerbt damit seinen Vater, Masaaki Suzuki, den Gründer des Ensembles, als Chefdirigent. Auch bei der kommenden Europatournee wird Masato Suzuki am Pult stehen. VAN: Das Bach Collegium Japan geht Ende des Monats auf Europatournee, unter anderem spielen Sie Ihre Vervollständigung […]

Veröffentlicht inHundert 11

Option, Drama, Zustand

Für Symphomanen und Brucknerados hat der wie üblich grauselige Berlin-Dezember nochmal das philharmonische Füllhorn geöffnet: in der ersten Adventswoche die Zweite, in der zweiten die Achte, in der dritten die Neunte. Das heißt zweimal c-Moll und einmal d-Moll, bei abnehmender harmonischer Orientierungs- und Bindungskraft. Und das Ganze mit drei völlig unterschiedlichen dirigentischen Temperamenten. Der Abend […]

Veröffentlicht inRankings

Quartvorhaltsschleife, Alberti-Bass und Kadenz-Abschluss-Triller

Knisterndes Bonbonpapiergeräusch im schönsten Mahler-Pianissimo, Husten in die heilige Bruckner-Symphonie-Generalpause hinein, mitfilmende iPhone-Ignoranten beim Einsatz der berühmten Solistin in Tschaikowskys Violinkonzert: Viele Dinge der »Klassik-Szene« nerven. Aber wie schaut es eigentlich mit klassikimmanenten Phänomenen aus, mit Floskeln, die sich häufig interesselos wie von selber abspulen? Ein Ranking der zehn ausgelutschtesten Stilmittel Platz 10: Die Quintfall-Sequenz […]

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