Repertoire für Orchesterreisen ist immer so eine Frage. Französische Programme für französische Orchester oder finnisches für finnische: meist eine sichere Sache. Andererseits, eine der furchtbarsten Tschaikowsky-Aufführungen meines Lebens habe ich mal von einem russischen Orchester gehört. Und es kann auch gerade reizvoll sein, in Deutschland mal Brahms zum Beispiel von einem italienischen Orchester zu hören. Mit albernen »Nationalcharakteren« und ähnlichem Popanz haben die Überraschungen, die da möglich sind, nichts zu tun, eher mit Spieltraditionen, musikalischem Temperament und dergleichen.
Wenn das Orchestre National du Capitole de Toulouse auf seiner aktuellen Deutschlandreise auch in Berlin halt macht, weckt das derzeit aber vor allem Interesse wegen seines neuen Chefdirigenten Tarmo Peltokoski (als Nachfolger von Tugan Sokhiev). Peltokoski gilt schließlich nach Klaus Mäkelä als das nun aber wirklich aller-aller-allerjüngste Dirigierwunder Finnlands. Wobei man schon fragen darf und auch sollte, ob man Talenten mit so einem Hype einen Gefallen tut. Oder was das Ganze mit Musik zu tun hat.

