Diesmal einfach keinen Bock auf Zoom. Der Mensch selbst sollte es sein, analog, jenseits aller Virtualität, derjenige, der Kompositionen wie Eislermaterial, Musiktheater-Installationen wie Stifters Dinge erdacht hat – wobei sich in Heiner Goebbels’ Begriff nichts mehr von dem findet, was Mozart oder Wagner unter »Musiktheater« verstanden – und zuletzt A House of Call. Er ist kein Wanderer zwischen den Welten. Er geht durch alle mitten hindurch, er reist gern; alles wird ihm zur Anregung, zum Material, es wird zum vielgestaltigen Thema oder Klang. Seine Produktionsweise deckt sich in etwa mit seiner Lebenshaltung. Er lebt im hessischen Frankfurt. Ich treffe ihn in seinem Berliner Studio (in Berlin leben Kinder und Enkel). Eine große Wohnung, man sieht auf den ersten Blick: ein geräumiger, sachlich schön eingerichteter Arbeitsplatz. Es gibt chinesischen Rauchtee aus einer blaugeriffelten ostasiatischen Teekanne mit dünnem Bambusgriff. Goebbels braucht Platz. Er muss sich bewegen bei der Arbeit. Er arbeitet stehend an einer per Knopfdruck höhenverstellbaren Arbeitsplatte mit dem obligaten Großmonitor darauf und Lautsprechern auf Ständern links und rechts, dazwischen zwei Keyboards. Dreht man sich um, schaut man in den offenen Nachbarraum, auf seine freie Wand sind überlebensgroß die Bilder des Computers projiziert. Türen scheint es in dieser Wohnung kaum zu geben. Große Räume gehen ineinander über. Offenheit ist ein Schlüsselwort, will man diesen Komponisten beschreiben. Er kennt auch Negationen, ohne Kritik und Überwindung des Alten entsteht nichts Neues. Für Goebbels kein Theorem. Es ergibt sich aus der Arbeit.
Jetzt abonnieren, um weiterzulesen.
Unbegrenzter Zugang zu allen aktuellen Artikeln und dem Archiv
VAN als unabhängiges Magazin wird maßgeblich über Abos getragen. Mit Ihrem Abo ermöglichen Sie unsere Arbeit und sichern die Zukunft von VAN.
