Die Tür geht auf. In ihr Tobias Koch. Aber hinter ihm keine Wohnung. Ein Kellergang. An seinem Ende um Ecken herum eine zweite Wohnungstür und Räume: große Fenster zum Hof mit langen Vorhängen, Bücherwände, bequeme Sitzmöbel, Bilder, schöne Lampen und sogar ein Bad, eine Küche – das Ganze aber wieder keine Wohnung. Denn da stehen überall auch noch Klaviere, größere und kleinere. Nirgends schwarzer Schleiflack, aber viele Brauntöne, Sichtholz, fein gefugt, gedrechselt, lackiert. Tobias Kochs Studio. Hier unterrichtet, hier studiert er, liest, übt, probiert aus. Mehr als ein Dutzend Instrumente vom Ende des 18. bis ins 20. Jahrhundert hat er bisher beisammen. Alle bestens restauriert und spielbar. Er braucht oft lange, bis er sich anlässlich eines bestimmten Repertoires für ein Klavier entscheidet. Er spielt ausschließlich auf den Instrumenten der Entstehungszeit der Musik. Sind sie vom Veranstalter gestellt, reist er oft Tage vorher an und macht sich mit dem alten Instrument vertraut. Er hat gut zu tun, er gastiert, er lehrt. Allerdings fällt, soll eins einen Pianisten nennen, der ihr und ihm spontan in den Sinn kommt, sein Name selten. Auch ich kannte ihn nicht, bevor mich, von Koch begeistert, Alexei Lubimov auf ihn aufmerksam machte. An Tobias Koch liegt es nicht. Er ist technisch und auch sonst komplett, ein rheinisch Ausgewogener. Es liegt am Betrieb. Die Qualitäten, die der von Klaviersolisten verlangt, interessieren Koch nicht. Den Betrieb interessierte umgekehrt lange Zeit Kochs Art, sagen wir: Beethoven zu spielen auch nicht. Nun hat sich – wg. Beethovenjahr – die Deutsche Grammophon seiner erinnert; sie wollten von ihm WoO, Hess, Kafka, Kullak und dergleichen, auf Kochs alten Klavieren. Und selbst aus solch scheinbar Nebensächlichem, lange Zeit Nichtwahrgenommenem, macht Koch lohnend Besonderes. Die Deutsche Grammophon ist nur noch ein Schatten dessen, was sie einst war. Indikator für eine gewisse Stufe der Wertigkeits-Skala des Klassikmarkts ist sie noch. Auch der Markt würde Tobias Koch kaum interessieren. Wenn nicht, so, wie die Dinge liegen, wirklich interessante, verlockende Arbeiten ohne den Markt nicht zu haben sind.

VAN: Wie stehen Sie als Besitzer einer nicht ganz wertlosen Instrumentensammlung zum Allerheiligsten des Bürgers, zum Eigentum?

Tobias Koch: Ich habe immer den Eindruck, dass die Instrumente mir nicht gehören, ich passe im Moment nur gut auf sie auf und behandle sie so gut – oder lasse sie von Instrumentenbauern ­so gut behandeln – wie es geht, um sie dann später weiterzugeben. Besitzansprüche einem Instrument gegenüber sind mir völlig fremd. Ich muss immer schmunzeln, wenn mir ein berühmter Freund sagt: ›Das ist meine Stradivari‹ Dann denke ich: ›Du hast sie gekauft, aber sie wird dich überleben.‹


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