Wenn eine Sache mit nordischen Familienfeiern anfängt, weiß man bereits, dass sie schiefgehen muss. Thomas Vinterbergs Film Das Fest wurde vor 25 Jahren zum Klassiker des Verwandtschafts-Meltdowns. Und in Lars von Triers apokalyptisch-visionärer Depressionsfabel Melancholia ist die komplette erste Hälfte einer fehlgehenden Hochzeitsparty gewidmet: Darin misslingt schon zu Beginn die Anfahrt des Brautpaars, weil die überlange romantische Limousine partout nicht ums Eck des engen Waldwegs kommt; minutenlang sehen wir vergebliches Manövrieren.
Ähnlich entgleist, längst aus aller Planbahn geraten, klingt die Musik, mit der Kaija Saariahos letzte Oper Innocence beginnt. Glissandi, ein Moment Streicherkantilene, ein Tupfen Blueslauf im Bas: Das ist im Reichtum der Instrumentalstimmen ein farbenreiches Konzert für Orchester, vom ständig gegenwärtigen Klavier aus heftig pulsierend, aber alles maximal instabil. Mitziehendes, sogar packendes Klangglitzern, das einem gleichwohl von Anfang an den Boden unter den Füßen wegzieht.

