Veröffentlicht inThe Society of Music

Das Große Kasperle

Guignol heißt das französische Kasperle, das Théâtre du Grand Guignol war ein populärer Schuppen für Grusel- und Horror der unterhaltsamen Art, betrieben von 1897 bis 1962 an der Pariser Pigalle. Da gabs immer lustig auf die Zwölf, keine falsche Sentimentalität. Nach diesem Wochenende steht zu erwarten, dass sie den Laden bald wieder öffnen können, oder […]

Veröffentlicht inKritik

Kollision mit einem Eisberg

Fellini hatte es herausgefunden: Opernhäuser sind, wie große Schiffe, eine Blaupause für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Bei Dekadenz gehen sie unweigerlich unter. Andererseits können sich Insassen von Opernhäusern durchaus ungestraft einer ganzen Reihe von Todsünden hingeben, als da sind Hochmut, Trägheit, Neid oder Völlerei. Man sieht es gerade den etablierten Häusern nicht mal von außen an, […]

Veröffentlicht inHundert 11

Mit Strauss zurück in die Zukunft

Unter allen großen Opernkomponisten ist Richard Strauss derjenige, der in der Spätblüte seines Schaffens doch die erstaunlichsten Ladenhüter fabriziert hat – über sage und schreibe zwei Jahrzehnte. Uns alle schaudert es bei Turandot, aber wen gänsehäutet es wohl bei Daphne? Falstaff beseligt uns, aber wen entzückt Capriccio? Parsifal fordert uns heraus, aber wen macht Die […]

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Framing the Repertoire

Tobias Kratzer hat einen Lauf. Regisseur des Jahres, mit Erfolgen in München, Bayreuth und anderswo, und zwar bei Kritik wie Publikum, und sein Start als Intendant der Hamburgischen Staatsoper wird begleitet vom süßen Sound der Sehnsucht nach Neuanfang: Wem wenn nicht ihm wäre das zuzutrauen gerade. Der Kultursenator Carsten Brosda träumt öffentlich von »Kunsterlebnissen, die […]

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Stofftier, aus dem die Träume sind

Reiche haben besseren Sex als Arme, das ist eine der immerhin diskutierbaren Ideen, die man Strauss’/Hofmannsthals unmöglichem Giga-Werk Die Frau ohne Schatten entnehmen kann. Sorgenfrei besseres Vögeln bei denen da oben, zumindest bevor die fundamentale Sex-, Ehe- und Sinnkrise einsetzt. Anfangs singt die gespenstische Amme noch übers rege Kopulationsleben bei Kaisers: Die Nacht war nicht […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Man trägt wieder Flügelhelm

Am Sonntag Rheingold-Premiere an der Bayerischen Staatsoper, am Montag Rheingold-Premiere an der Mailänder Scala. Unter den Schreibenden schreiben sich ein paar länger schon die Finger wund, man solle Wagners Ring doch mal ein paar Jahre in Ruhe lassen, doch der Ruf verhallt. In Dortmund steht Peter Konwitschnys (überraschenderweise doch) erster Durchgang durch die Tetralogie vor […]

Veröffentlicht inHundert 11

Fegefeuer in Rheingoldstadt

Es weckt Staunen übers eben Gesehene und gespannte Erwartung aufs Kommende, was hier alles gelingt. Und das, obwohl Dirigent Vladimir Jurowski und Regisseur Tobias Kratzer einiges dafür investiert haben, dass die Sache schon zum Vorabend des neuen Münchner Ring des Nibelungen kolossal schiefgehen müsste. Zumindest könnte. Nein, müsste. Denn der eine dirigiert in Zeitlupe, der […]

Veröffentlicht inKritik

Versemmelte Anfänge, verschobene Abschiede

Ein trantütiger ›Tristan‹ grenzt an Regieverbrauchertäuschung. Für einen quickfidelen ›Tannhäuser‹-Klassiker scheint sich der Publikumswunsch nach Lebensverlängerung zu erfüllen. Und die beste Promi-figura machen nicht Söder oder Roth, sondern Martha Argerich und Roberto Blanco: Bei den Bayreuther Festspielen 2024 gab’s wieder mal die ganze Palette. In Bayreuth gibt es keine Stille vor der Musik. Das ist […]

Veröffentlicht inHundert 11

Vögelnde Strauße, oiseaux tristes

Nicht um ein Nichts, ein gar Nichtiges, dreht es sich in diesem Stück, sondern um unsere Träume und Sehnsüchte in diesem uns zermürbenden, ertränkenden Alltag, der die Liebe abschleift zu nickligem, kein Ende mehr nehmendem Aneinanderhadern. Gibt es denn Traurigeres, wenn man so recht darüber nachdenkt? Der Ruf kompletter Belanglosigkeit freilich eilt dem selten bis […]

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