»Soeben 1 Uhr sind Mahler u. Frau abgereist, lassen Dich herzlich grüßen, der italienische Componist Puccini war eigens auch aus Pest gekommen, viel junge Leute aus Wien, deren einziges Handgepäck ein Klavierauszug war, – es regnet u. ich sitze auf der Gartenterrasse des Hotels, um Dir zu berichten, daß Salome sehr gut gegangen, ein Riesenerfolg, […]
Schlagwort: Arnold Schönberg
Seelenartikulation, die Seelen zerreißt
Es gibt solche Pianisten, die man immer wieder hören will, und solche, die man immer öfter hören sollte. Für die erste Kategorie hat man in der Hauptstadt vor allem die Klavierabende der Stiftung Berliner Philharmoniker oder auch der alteingesessenen Konzertdirektion Adler. Für die zweite Kategorie existiert seit 2012 das privat organisierte Berliner Klavierfestival, ein zuverlässiges […]
Keine »unbedeutende Komponistin und Musiklehrerin«
Arnold Schönberg kennt man auf der ganzen Welt. In einem Zuge werden oft auch die Namen seiner bekanntesten Schüler Alban Berg (1885–1935) oder Anton Webern (1883–1945) genannt. Wir kennen ihn als Schöpfer und seine Schüler als Verbreiter und Anwender der Zwölftontechnik, die die damalige Klangwelt revolutioniert und mitunter für empörte Saalschlachten gesorgt hat. Weil Schönberg […]
Jedes einzelne Schicksal
Unter dem Titel Violins of Hope sammelte und restaurierte der Geigenbauer Amnon Weinstein in seiner Werkstatt in Tel Aviv Streichinstrumente von jüdischen Musikerinnen und Musikern, die Überlebende des Holocaust ihm oder seinem Vater Moshe Weinstein (ebenfalls Geigenbauer) vermacht hatten. Einige Musikerinnen und Musiker wollten die Geigen nicht mehr spielen, manche Instrumenten kamen über Familienangehörige zu […]
Schönberg, Lieben, Lernen. Eine Challenge
Dies ist die letzte Kolumne für diesen VAN Jahrgang, und die letzte Gelegenheit, im ausgehenden Schönberg-Jahr ein wenig zu beklagen, dass das nach außen hin so geschäftige Jubiläumsgedöns in der Musik – Konzert- und CD-Programme, Ausstellungen, Fachkonferenzen und Briefmarken und TV –, auch in seinem Fall uns eben seinen Fall nicht wirklich näher gebracht hat. […]
Mythos Schönberg
Für Musik-Menschen ist ein Besuch in Wien seit jeher eine Reise in eine bessere Welt. Der Abstand zur rauen Kultur-Realität hierzulande wächst und wächst in erschreckender Weise. Während in Österreich die Kultur unbeirrt von weltweiten und eigenen Krisen brummt und immense Gelder in Kulturbauten und Jubiläen investiert werden – allein 20 Millionen Euro fließen in […]
Drohende Gefahr, Angst, Katastrophe (Post aus Wien #3)
Arnold Schönbergs 150-Jahr-Jubiläum im September ist irgendwie dann doch eine Sache der Zirkel geblieben, ein Fest für Eingeweihte. Hatte ich hier schon festgestellt. Dieser Jubeljahrgang gehörte Bruckner, und dann kam lange nichts. Bruckner scheint der Mann der Stunde. Man kann das vielleicht erklären: Seine symphonischen Romane werden, live oder konserviert, im musikmedialen Diskurs vor allem […]
Tante Frieda ein Fest
Programme müssten so sein, sagte der damalige Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin Marek Janowski vor dreizehn Jahren, »dass auch Tante Frieda ins Konzert kommt«. Den Gedanken würde man in unseren heutigen, empfindlicher gewordenen Zeiten wohl anders formulieren, zumindest Onkel Erwin würde man mitnennen. Aber Janowskis Argument bleibt ja gültig: »Intellektuelle programmatische Pirouetten dürfen nicht dazu führen, […]
Jubilarswahlverwandtschaften
Ein Festivalprogramm, das halb sorgsam kuratiert, halb aus zufälligem Tourneerepertoire zusammengewürfelt ist, lädt zu allerlei eigenen Verknüpfungen ein. Runde Geburts- und Todestage stehen ja heutzutage in (zu) hohem Grad im Mittelpunkt der Klassikprogrammgestaltung. So sind auch beim diesjährigen Musikfest neben dem Leitthema Amériques drei 2024er Jubilare präsent: ein wenig der extrem unamerikanische Anton Bruckner (200. […]
Effekt ohne Haschmich
Elisabeth Leonskaja ist zum Glück höchst lebendig. Am Berliner Konzerthaus gibt es neben der jeweiligen Residence eines verhältnismäßig jungen Künstlers (in dieser Saison des Geigers August Hadelich) regelmäßig konzentrierte Hommages an, sagen wir mal, große Alte. Die müssen gar nicht mehr sehr aktiv sein. Im Fall von Alfred Brendel spielten vorwiegend junge, von ihm geförderte […]
