Es gibt solche Pianisten, die man immer wieder hören will, und solche, die man immer öfter hören sollte. Für die erste Kategorie hat man in der Hauptstadt vor allem die Klavierabende der Stiftung Berliner Philharmoniker oder auch der alteingesessenen Konzertdirektion Adler. Für die zweite Kategorie existiert seit 2012 das privat organisierte Berliner Klavierfestival, ein zuverlässiges kleines Musikwunder im scheinbaren Klassiküberfluss.

Erste Kategorie also, die Klassikerin: Auch heuer erscheint Mitsuko Uchida, nach vielen Jahrzehnten nah am Legendenstatus, zum Solorezital im Kammermusiksaal, diesmal auf Einladung der Berliner Philharmoniker. Nun ist von einer 77-jährigen Pianistin (vorbei Gottlob die Zeit, da man »das Alter einer Dame« keinesfalls aussprechen dürfe) nicht die Exzellenz unfehlbarer Präzision zu erwarten, sondern das Glück musikalischer Erfüllung. Gerade in Uchidas Beethoven darf man jetzt wohl von einem Altersstil sprechen. In ziemlich gedehnten Tempi setzt der erste Satz der Sonate Nr. 27 e-Moll Opus 90 ein, »mit Lebhaftigkeit« ist hier doch von höherer Warte zu begreifen. Und die Kontraste des Kopfsatzes führt Uchida so drastisch vor, dass die Musik geradezu in ihre Einzelteile zerfällt. Hat was, aber schon auch was Befremdliches.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com