»Soeben 1 Uhr sind Mahler u. Frau abgereist, lassen Dich herzlich grüßen, der italienische Componist Puccini war eigens auch aus Pest gekommen, viel junge Leute aus Wien, deren einziges Handgepäck ein Klavierauszug war, – es regnet u. ich sitze auf der Gartenterrasse des Hotels, um Dir zu berichten, daß Salome sehr gut gegangen, ein Riesenerfolg, die Leute applaudiert – noch 10 Minuten, nachdem der eiserne Vorhang gefallen war etc. etc. Vorher war ich so kalt wie immer, im Verlaufe des Abends hat mich das Ding doch wieder aufgeregt, so daß ich, trotzdem ich gestern körperlich gar nicht müde war u. schon um ½ 1 Uhr zu Bette ging, erst um 11 Uhr Früh, so etwas zerprügelt aufwachte.«
Es ist Doktor Richard Strauss, der hier im stattlichen Hotel Elefant zu Graz, einem »Haus I. Ranges«, seinen kleinen Premierenkater pflegt und seiner Frau nach Berlin schreibt. Ein schlanker, hochgewachsener Mann von 41 Jahren, seinem obersten Dienstherrn nicht unähnlich, dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Auch Richard Strauss trägt einen Bart, dessen Spitzen, die Mundwinkel verdeckend, bis über die Wangen reichen, nur sind sie dort nicht auch noch aufwärts frisiert. Auch sein Kinn ist um jene Spur knapp geformt, die die Unterlippe wie in leichtem Trotz hervortreten lässt.

