Ein Festivalprogramm, das halb sorgsam kuratiert, halb aus zufälligem Tourneerepertoire zusammengewürfelt ist, lädt zu allerlei eigenen Verknüpfungen ein. Runde Geburts- und Todestage stehen ja heutzutage in (zu) hohem Grad im Mittelpunkt der Klassikprogrammgestaltung. So sind auch beim diesjährigen Musikfest neben dem Leitthema Amériques drei 2024er Jubilare präsent: ein wenig der extrem unamerikanische Anton Bruckner (200. Geburtstag), etwas mehr der im Exil bewusst zum Amerikaner gewordene Arnold Schö/oenberg (150. Geburtstag) und erfreulicherweise ziemlich viel der sehr amerikanische Charles Ives: hier sogar Doppelrundung mit 150. Geburts- und 70. Todestag, also quasi Ives 220. Darüber hinaus ergeben sich von Konzert zu Konzert allerlei merkwürdige, reizvolle Jubilarskontakte. Der seltsamste, köstlichste ist vielleicht das Date des extravaganten Modernisten Ives ausgerechnet mit Antonín Dvořák. Die höchste Nettospielzeit in der zweiten Musikfestwoche hat allerdings die Musik von – Gustav Mahler! Denn Mahler geht immer, wie Bruckner, weshalb einem dessen Jubiläum auch kaum auffällt. Und der Mahlerbezug ist ja bei allen Jubilaren konstruierbar, zu Bruckner ebenso wie zu Schönberg und Ives. 


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com