Im wunderschönen Monat Mai, wenn alle Knospen springen, blickt der geneigte Konzertgänger in die allseits erscheinenden neuen Saisonvorschauen, mancher so sehr, dass er darüber fast die laufende Gegenwart vergessen kann. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB), das unter allen Klangkörpern der Stadt wohl den intellektuellsten und reflektiertesten Dirigierkopf besitzt (nämlich Vladimir Jurowski), wird in der kommenden Spielzeit etwas scheinbar sehr Konventionelles fortsetzen: einen guten, alten Brahms-Schwerpunkt. Aber bei sowas machen es eben (auch) die Verbindungen. So wird der nächste Artist in Residence Christian Tetzlaff das Violinkonzert von Alban Berg vor Brahms’ Zweiter geigen, und das Brahms-Klavierkonzert trifft ausgerechnet auf den angeblichen Antipoden Richard Wagner; ein vokaler Saisonschwerpunkt führt zur Koppelung von Brahms’ Schicksalslied mit Henzes 9. Sinfonie; und Brahms’ Dritte erwartet ein schräges Date mit Sibelius und einem Auftragswerk von Moritz Eggert, dessen Titel Master and Servant auf Hegel, Depeche Mode oder BDSM verweisen könnte (oder auf alles zusammen).


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com