Ich persönlich war nie ein Fan der langsamen Sätze von Symphonien oder Klaviersonaten. Die schnellen Ecksätze von Werken in Sonatenhauptsatzform oder Ähnlichem rockten für mich einfach mehr. »Ballern, ich wollte ballern!«, so sagte es mal jemand – ich glaube, es war ein Boxer. Mit zunehmendem Alter regiert allerdings zunehmend die Einsicht, man solle auch einmal achtsam in sich hineinhören. Und das geht angeblich mit langsamen Sätzen besser. Was mir dabei auffällt: Ich finde die verhältnismäßig flinken Interpretationen von »Adagio« und Co. einfach – natürlich: wenn gut gemacht – berührender.
Warum mich die flotteren Darbietungen langsamer Sätze mehr affizieren, das weiß ich nicht ganz genau. Vielleicht ist da unter anderem ein Gefühl mit am Werke, dass Leid zwar im Leben eines Menschen nicht vermeidbar ist, aber dann doch häufig schneller vorbeigeht, als man es im Moment trauriger Erfahrungen glaubt; sofern man einfach mal behauptet, die subjektive Erinnerung an Leid sei beim Hören getragener Sätze präsenter, während im Falle des Drogenkonsums schnellerer Sätze eher Fortkommen, Erhabenheit, Inspiration und das eigene Getrappel von Ideen und Utopien im Kopf dominieren. Der Faktor Zeit spielt, fraglos, eine gewichtige Rolle.

