Manche Menschen kommen ohne Ouvertüre auf die Welt. Sie erzählen einfach drauf los. Zu diesem Typus gehört wohl auch der 1865 in Sankt Petersburg geborene Komponist Alexander Glasunow. Ich kenne kaum eine andere Musik, die derart voraussetzungs- und einleitungsfrei mitteilt, was Sache ist. Ich spreche von seinem Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 82, […]
Kategorie: Serien
Hidden Champions – 8. Station: Gerhart-Hauptmann Theater in Görlitz
Die Zeitreise beginnt, als ich in Berlin in den EC Richtung Prag steige und aus Platznot in den Speisewagen ausweichen muss: Knallrote Kunstledersitze, nostalgische Kugellampen, in deren mildes Licht sich der Dampf frischgebackener Palatschinken mischt. Die kommen hier tatsächlich noch aus der Pfanne – ein Kellner mit akkurat zurecht gezupfter Fliege überm abgewetzten Kragen stellt […]
»Immer voller Hoffnung und freudiger Akzeptanz des Lebens«
Der am 8. Dezember 1890 in Polička an der Landesgrenze zwischen Böhmen und Mähren geborene Bohuslav Martinů war ein fleißiger und ungewöhnlicher Komponist. Über 400 Werke legte er vor. Neben den Orchesterkompositionen Half-Time (1924) und La Bagarre (1926) verhalf vor allem der Erfolg seines zweiten Streichquartetts aus dem Jahr 1925 Martinů zu Aufführungen und Kompositionsaufträgen. […]
»Alles verrückt, es gibt kein Entkommen…«
»Ja, ja, wenn die Geschichte ein Eisenbahnnetz wäre, wäre Jitschin ein Hauptbahnhof… Wallenstein, der Krieg von 1866, auch Bismarck war hier, ja, ja, alles verrückt, es gibt kein Entkommen…« So erzählt es der 99-jährige, der in Jičín Station macht, seinem Reisebegleiter und Altenpfleger. Zwei sehr ungleiche Männer, Tschechen mit Wohnsitz Berlin auf der letzten sentimentalen […]
Wie auf Schienen, ohne Zwang
Sofia Gubaidulinas Chaconne für Klavier (1962) ist schon fast so etwas wie ein Klavier-Solo-Klassiker des 20. Jahrhunderts – beziehungsweise: des 21. Jahrhunderts. Ich sehe das Werk immer häufiger auf Recital-Programmen von Pianistinnen und Pianisten, auch auf denen von bekannteren Kolleg:innen. So spielt Martin Helmchen das Stück am 22. September 2024 beim Beethovenfest Bonn – und […]
Unbestechliche Himmelskörper und Frankfurter Grüne Soße
Was, Urlaub schon vorbei? So schnell gehen drei Wochen rum. Der Stapel mit den Saisonbroschüren ist auch schon deutlich geschrumpft (siehe hier und hier) – das entlastet das Reisegepäck. Elf Stunden Autofahrt liegen vor uns und unterwegs schauen wir uns in Folge drei der Saisonbroschüren-Stilkritik an, was gestalterisch in München, Frankfurt, Leipzig und Berlin geht. Symphonieorchester […]
»Das ist handwerklich grandios gemacht – da sitzt alles an seinem Platz.«
Mein innerer Monk hat inzwischen den Stapel mit den Saisonbroschüren anhand der optimalen Reiseroute geordnet. Weitere Möglichkeiten der Sortierung wären vielleicht entstanden, hätte ich eine Excel-Tabelle mit verschiedenen Kriterien angelegt. Aber so kompliziert wollen wir es uns gar nicht machen – ist ja schließlich Urlaub. Weiter geht’s mit »DSDSSH« (Deutschland sucht das schönste Saisonheft) und […]
Ulkige Buchstaben, bäriges Zischen, Stéphane Chapuisat und Schweizer Präzsion
Die Sommerferien stehen ins Haus, der Urlaub ist gebucht, das Auto gepackt. Noch schnell Insta & Co. vom Handy löschen – zur Unterhaltung und Ablenkung von der Entspannung dient in den nächsten drei Wochen der Stapel Saisonbroschüren. Ist ja quasi wie scrollen, nur blättern. Folge Eins: Cottbus, Berlin, Dortmund und Bern. Staatstheater Cottbus Das Titel-Design […]
Warum ich Bruckner verheiratet habe
Die Menge der Musikjubiläen in diesem Jahr ist schier unfassbar, auch wenn man nur die bis 1924 nimmt und mit mindestens einer Null hinten dran. Und dann sollte man noch die Uraufführungsjubiläen weglassen, sonst würde neben Bach und Gershwin kein Gras mehr wachsen. Der Leipziger lieferte vor 300 Jahren 48 Kantaten ab, dazu noch die […]
Vorsicht, dieser Wind kann Spuren von Winter enthalten
Ganze Bücher ranken sich um die psychischen Erkrankungen berühmter Musikerinnen und Musiker. Noch immer hält sich die Auffassung, große Kunst könne nur unter großem Leid entstehen. Ob voyeuristisch oder nicht: Wer Kompositionen ausschließlich unter den Vorzeichen biographischer Informationen über Leid, Not und Krankheit rezipiert, der macht sicherlich etwas falsch. Und so muss auch die Depressionserkrankung […]
