Am 11. September hielt der israelische Dirigent Ilan Volkov nach einem Konzert mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra in der Royal Albert Hall in London eine emotionale Protestrede gegen das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza und im Westjordanland.»Ich weiß, dass viele von uns sich angesichts dieser Situation völlig hilflos fühlen«, sagte er, »Tausende unschuldige […]
Autoren-Archive: Jeffrey Arlo Brown
... ist seit 2015 Redakteur bei VAN. Sein erstes Buch, The Life and Music of Gérard Grisey: Delirium and Form, erschien 2023. Seine Texte wurden in der New York Times und anderen Medien veröffentlicht.
Nah dran
In einem Video von High Note, einem am 29. Juli gestarteten Social-Media-Account mit »Straßeninterviews mit Ikonen der klassischen Musik« auf Instagram, Youtube und Tiktok, steht der Tenor Freddie De Tommaso mit einem Guinness vor einem Pub und witzelt mit der Interviewerin darüber, ob sein Lieblingskomponist jetzt Verdi, Puccini oder Sean Paul ist. In nur etwa […]
Das Spektrale innerhalb der Grenzen der Logik
Bei Nguyễn + Transitory liegen Technologie und Körper, Klang und Bewegung, Vergangenheit und Gegenwart dicht beieinander. Wo sich diese Bereiche überschneiden, findet das Duo Raum für kritische Auseinandersetzungen mit den sonst so oft unsichtbaren Grundvoraussetzungen westlicher Kunstproduktion und Hegemonie. Aktuell arbeiten beide an Ghost Logics(s), einem Logiksystem, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz Unschärfen zulassen und […]
Der Geburtshelfer
Als der Zürcher Regisseur Georges Delnon zwischen 2006 und 2015 das Theater Basel leitet, spürt er eine große Leichtigkeit, die Arbeit ist spielerisch, erzählt er mir. Delnon schafft Schnittstellen zwischen Bildender Kunst, Schauspiel und Oper, und er hat den Eindruck, es kommen alle zu allem, auch das Publikum ist also spartenübergreifend. Während seiner Intendanz wird […]
»Man muss sich klarmachen: Das ist das Verbrechen unserer Generation.«
Nur wenige prominente klassische Musikerinnen oder Musiker – und nur wenige prominente Deutsche – haben sich so konsequent, leidenschaftlich und detailliert über den brutalen Krieg Israels in Palästina geäußert wie Michael Barenboim, Geiger (und Sohn des Dirigenten Daniel Barenboim). Als ich ihn im Mai in Berlin treffe, in einer ruhigen Ecke eines Biergartens in der […]
Ein kollektiver Menschentraum
Welche Rolle kann KI in zeitgenössischer Komposition, Klangkunst und Performance spielen? Um dieser Frage nachzugehen, hat der Musikfonds in einem Sonderprogramm 10 Stipendien vergeben. George Lewis, Brigitta Muntendorf, Moritz Simon Geist, Ali Nikrang und Yağmur Uçkunkaya wählten die Stipendiat:innen aus, unter ihnen Nico Sauer. Der freischaffende Künstler mischt in seinen Performances Klang, Sprache und Schauspiel. […]
»Ich reise so lange nicht in die USA, bis sich grundlegend etwas ändert.«
Mitte März verkündete András Schiff, »aufgrund der jüngsten und noch nie dagewesenen politischen Veränderungen in den Vereinigten Staaten« ab sofort nicht mehr in den USA aufzutreten, seine bereits geplanten Konzerte für 2025 und 2026 sagte er ab. Auch in Russland gibt Schiff keine Konzerte mehr, genau wie in seinem Heimatland Ungarn, das gewissermaßen als Vorbild […]
Geld für Kultur, Geld für die Republikaner
Als George Floyd im Mai 2020 in Minneapolis von einem weißen Polizisten ermordet wurde, reagierten auch viele Klassikinstitutionen in den USA: Das Minnesota Orchestra gab im Gedenken an Floyd beim Komponisten Carlos Simon und dem Librettisten Marc Bamuthi Joseph ein Werk mit dem Titel brea(d)th in Auftrag. Das Chicago Symphony Orchestra wies auf die viel […]
»Verdammt, der Typ kann Akkorde schreiben!«
Am Sonntag feierte Das grosse Feuer, die neue Oper von Beat Furrer, am Opernhaus Zürich Premiere. Unter der Regie von Tatjana Gürbaca und nach einem Roman der argentinischen Autorin Sara Gallardo erzählt das Werk, das von Furrer selbst dirigiert wurde, die Geschichte des indigenen Schamanen Eisejuaz, dessen Gemeinschaft und Wesen durch eine von außen aufgezwungene […]
»Wenn man anfängt, zu viel über die Größe und den Moment nachzudenken, verliert man aus den Augen, warum man eigentlich da ist.«
Am 20. Februar gibt Marin Alsop ihr Debüt am Pult der Berliner Philharmoniker mit einer Uraufführung von Outi Tarkiainen sowie Stücken von Brett Dean, Aaron Copland und Heitor Villa-Lobos zu den Themen Natur und Klimawandel – eine Zusammenarbeit, die herausfordernd werden könnte: Alsop, die John Adams einmal als »bescheidene, großzügige und sogar zurückhaltende Persönlichkeit« beschrieb, […]
