Bei langjährigen Streichquartetten stellt sich nach vielen Besetzungswechseln die philosophische Frage vom »Schiff des Theseus«: Ab wie vielen Plankenwechseln verliert ein Objekt seine Identität, verliert es sie überhaupt? Grundsätzlich machen solche Revirements Kammermusik-Ensembles ja unbeschränkt seetüchtig. Das Juilliard String Quartet gibt es seit 1946, das Gewandhaus-Quartett existiert quasi seit Christi Geburt. Das Takács Quartet aber, […]
Schlagwort: Konzerthaus Berlin
»Wenn man als Institution wichtig sein möchte, muss man mitbekommen, was in den einzelnen Teilen der Stadt passiert.«
VAN: Hast du dich im Zuge der Kürzungsdiskussionen in den letzten Monaten manchmal gefragt, ob du da jetzt in Berlin in einen falschen Film geraten bist? Tobias Rempe: Nein, dafür waren viele andere Sachen einfach auch zu schön. Aber natürlich war das in dem Ausmaß eine Überraschung. Beim Ensemble Resonanz waren Fragen der zukünftigen Finanzierung […]
Energetische Raritätensanierung
Alles zankt über die neue Gestaltung des Gendarmenmarkts in Berlin-Mitte (»Wo sind die Bäume?!«). Aber strikt musikalisch gesehen ist hier entgegen alter Weisheit entscheidend nicht auf dem Platz und auch nicht unter dem Platz (»Unterirdische Wasserstruktur beachten!«), sondern in der Kabine. Und die Kabine ist nun mal das ehrwürdige Konzerthaus, wo am vergangenen Wochenende zwei […]
Wolfseulig
Dass ausgerechnet Musiker aus Salzburg den guten jungen Felix Mendelssohn Bartholdy nach Berlin bringen, das hat was von Eulen nach Spree-Athen … egal, lassen wir das. Jedenfalls gehört Mendelssohn unbedingt und immer wieder ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt, unweit der Leipziger Straße 3, wo einst das Familienpalais stand, und der Jägerstraße mit dem ehemaligen Bankhaus, in […]
Zerschmetterer und Schmetterling
Das privat initiierte Klavierfestival Berlin, das derzeit stattfindet, hat seine Daseinsberechtigung im Mangel: Hier ist pianistisch zu erleben, was anderswo fehlt. Das gilt auch für das zweite und dritte von fünf Konzerten in diesem Jahr. Die Französin Lise de la Salle ist eigentlich weithin bekannt, aber in Berlin solistisch doch eine erstaunliche Seltenheit, wie viele […]
Positivitätswalzend
Das Konzertleben ist eine Baustelle. Gerade in Berlin, wo es doch von allem so viel zu geben scheint, existieren bemerkenswerte Leerflächen. So kann es kommen, dass ein angesagter Pianist wie Alexander Krichel, der wenige Tage zuvor noch in der Elbphilharmonie zu erleben war, hierzustadt nicht etwa im Kammermusiksaal der Philharmonie auftritt, sondern im urigen Pianosalon […]
Überkreuzend
Konzerte mit dem Dirigenten Iván Fischer lohnen immer, selbst wenn eine seiner originellen Programm-Ideen mal eher so semi zündet. Denn Fischers Neugier, Fischers Freude und Fischers dirigentische Kompetenz auf unterschiedlichsten Gebieten von dogmafreiem Barock bis zu unverkopfter Gegenwartsmusik tragen jeden Abend. Was jetzt im Berliner Konzerthaus eine Bach-Kantate mit Musik von Philip Glass verbinden soll, […]
Entnebelnd
Zu den Dingen, die das tüchtige Konzerthaus am Gendarmenmarkt der platzhirschigen Berliner Philharmonie voraus hat, gehört (außer einer Chefdirigentin) der Werner-Otto-Saal. Quasi eine flexible Studiobühne, durch die alle mögliche zeitgenössische Musik permanente Präsenz im Haus hat: zum Beispiel mit der Reihe 2x hören, mit dem AsianArt Ensemble oder Berlin PianoPercussion. Die regelmäßigen Auftritte des ensemble […]
Effekt ohne Haschmich
Elisabeth Leonskaja ist zum Glück höchst lebendig. Am Berliner Konzerthaus gibt es neben der jeweiligen Residence eines verhältnismäßig jungen Künstlers (in dieser Saison des Geigers August Hadelich) regelmäßig konzentrierte Hommages an, sagen wir mal, große Alte. Die müssen gar nicht mehr sehr aktiv sein. Im Fall von Alfred Brendel spielten vorwiegend junge, von ihm geförderte […]
