Bei langjährigen Streichquartetten stellt sich nach vielen Besetzungswechseln die philosophische Frage vom »Schiff des Theseus«: Ab wie vielen Plankenwechseln verliert ein Objekt seine Identität, verliert es sie überhaupt?  Grundsätzlich machen solche Revirements Kammermusik-Ensembles ja unbeschränkt seetüchtig. Das Juilliard String Quartet gibt es seit 1946, das Gewandhaus-Quartett existiert quasi seit Christi Geburt. Das Takács Quartet aber, gegründet 1975, hat auch unter den Evergreens einige Alleinstellungsmerkmale: etwa den, dass es im Lauf seiner über 50-jährigen Geschichte von Ungarn nach Amerika übersiedelt ist. Und sein namensgebender Gründer hat das Quartett bereits 1993 verlassen. Der heutige erste Geiger Edward Dusinberre ist also bald doppelt so lang Primarius wie der Urkapitän.

Von der Urbesetzung allein noch an Bord befindet sich der Cellist András Fejér. Für den Sommer ist sein Abschied angekündigt, die jetzige Rundreise des Takács Quartet ist also eine Abschiedstour. Musikalisch und menschlich, das zeigt sich beim Auftritt im kleinen Saal des Berliner Konzerthauses, ist die Planke Fejér noch voll intakt. Zu Beginn des Stückes NEXUS der 1978 geborenen Clarice Assad, eines Auftragswerkes für das Takács Quartet, sitzt Fejér allein auf der Bühne und lässt sein Instrument ausdrucksvoll singen, während die höheren Instrumente aus der Unsichtbarkeit des Off ein Sphärenflageolett einschwirren lassen.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com