Zart schweben die Klänge einer Glasharmonika durch die archaische Felsenreitschule, sie verschwimmen zu einem unwirklichen, kosmischen Sound, zerbrechlich und fremd. Mozart komponierte sein Adagio in C-Dur für Glasharmonika in seinem Todesjahr, Raphaël Pichon setzt das eigentümliche Werk an den Anfang und das Ende seines semiszenischen Opernabends Zaide oder Der Weg des Lichts, der zu einem […]
Kategorie: Kritik
Liebe ist kein wilder Vogel
Der Sturm ist vorbei. Die Zeit rast im Flug. Vor den hohen Fenstern der Orangerie regiert längst die Nacht im Park Sorgenfrei. Trotz alledem sorgen wir uns doch ein bisschen, wir Glücklichen, die wir noch drinnen im Hellen sitzen, gefangen im Strom der Musik, auf der Insel der Seligen. Kommen wir je wieder heim? Fährt […]
Vögel, Lava, Pollock und Titanen
Als sich am 1. Juni 1912 Igor Strawinsky und Claude Debussy an den Pleyel setzten und in privater Runde die vorläufige vierhändige Fassung des Sacre du printemps spielten, waren ihre Zuhörer anschließend »niedergestreckt wie von einem Orkan, der vom Beginn der Zeiten gekommen war, um unser Leben an den Wurzeln zu ergreifen«. Man soll nicht […]
Kollision mit einem Eisberg
Fellini hatte es herausgefunden: Opernhäuser sind, wie große Schiffe, eine Blaupause für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse. Bei Dekadenz gehen sie unweigerlich unter. Andererseits können sich Insassen von Opernhäusern durchaus ungestraft einer ganzen Reihe von Todsünden hingeben, als da sind Hochmut, Trägheit, Neid oder Völlerei. Man sieht es gerade den etablierten Häusern nicht mal von außen an, […]
Es kommt immer noch schlimmer
Gleich zwei Kassandras mischten sich ein in die 57. Tage für neue Kammermusik in Witten. Die eine, weil sie sich um die Zukunft des Festivals sorgt. Denn Patrick Hahn, der für das Programm verantwortliche WDR-Redakteur und künstlerische Leiter, hat gekündigt, schon zum 1. Juli. Die zweite Kassandra sagte gleich das Aussterben der gesamten zeitgenössischen Musik […]
Warum Männer töten
Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt wurde am 4. Dezember 1920 gleichzeitig in Köln und Hamburg uraufgeführt und begeistert aufgenommen, die Kritik sagte dem jungen Komponisten eine große Zukunft voraus. Doch es kam anders: Als Jude musste Korngold vor den Nationalsozialisten fliehen, aus Österreich in Richtung USA, wo er sich als Filmmusikkomponist bereits einen Namen […]
Auferstehn, mein Herz, im Nu!
Das Motto der diesjährigen Osterfestspiele in Salzburg lautet »Wunden und Wunder«. Man könnte das, was dieser Tage dargeboten wird, ebenso gut zusammenfassen unter dem Slogan »Gott und die Welt«. Oder, falls es unbedingt ein marketingtauglicher Stabreim sein muss: »Hölle und Himmel« oder »Chor und Chaos«. Allein drei Chöre stauen sich bei der Eröffnungspremiere auf der […]
»Verdammt, der Typ kann Akkorde schreiben!«
Am Sonntag feierte Das grosse Feuer, die neue Oper von Beat Furrer, am Opernhaus Zürich Premiere. Unter der Regie von Tatjana Gürbaca und nach einem Roman der argentinischen Autorin Sara Gallardo erzählt das Werk, das von Furrer selbst dirigiert wurde, die Geschichte des indigenen Schamanen Eisejuaz, dessen Gemeinschaft und Wesen durch eine von außen aufgezwungene […]
Hoffnung und Illusionen
Die Parteien im Parlament streiten sich wie die Kesselflicker. Nennen einander gierige Tröpfe und sich selber gute Leute. Böse Worte fallen. Es geht schlimmer zu, als je in der Weimarer Republik oder im Plenarsaal des Bundestags. Das Publikum wird nervös. Auf gar keinen Fall möchte man jetzt an die letzte Woche da draußen denken und voreilige […]
Das garstig Lied
Schon wieder Nigl! Gleich nach den Letzten Tagen der Menschheit an der Wiener Staatsoper reiste der Sänger weiter nach Hamburg, wo die Endproben zu einer Uraufführung anstehen. Gordon Kampe hat für ihn eine neue Oper komponiert, im Auftrag der Hamburgischen Staatsoper. Ein Einakter, der einen Märchentitel trägt: Die Kreide im Mund des Wolfs. Er ist […]
