Diversifikation ist gut für die Gewinnchance. Gleichviel, ob äußere oder innere Werte auf dem Spiel stehen, Aktienkurs oder Musikvermittlung. Der Begriff stammt jedenfalls aus der Finanzwelt, er ist erst seit wenigen Jahren zu einem leicht abgefälschten Lieblingslehnwort geworden, das in den Diskursen um Musikproduktion und -rezeption herumgeistert, zumal der zeitgenössischen.

Politisch, gesellschaftlich, moralisch ist Diversity (zu deutsch: die Vielfalt) das Gebot der Stunde. Es geht dabei um gleichberechtigte Teilhabe, was mehr meint und etwas anderes ist als die akkumulierende Vervielfältigung. Zum Thema gemacht hatte das bereits der vorige Leiter der Donaueschinger Musiktage, Björn Gottstein. Für seine Nachfolgerin Lydia Rilling ist es nun ein erklärtes »Hauptanliegen«, das Programm dieses einmaligen, bereits über hundert Jahre alten Uraufführungsfestivals entsprechend zu erweitern und zugleich auch für die Teilhabe neuer Besucherschichten zu öffnen. Alle Genres, Stile, Strömungen, Moden und Methoden sind herzlich willkommen. Es gelte, so Rilling, die »pluralen Perspektiven von Künstler:innen verschiedenster Ästhetiken, Herkünfte, Ethnien, Religionen, sexueller Orientierungen und Identitäten« vorzustellen. Man kann feststellen: Das klappt. Erste Gewinne sind zu verzeichnen. Das liebe Schwarzwaldnest hat sich schon im zweiten Jahr der Rilling-Ära verwandelt in einen Ort des Aufbruchs. Statt Elfenbeinturm: Mahagonny-Land, wo jeder alles dürfen darf.


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.