Die Parteien im Parlament streiten sich wie die Kesselflicker. Nennen einander gierige Tröpfe und sich selber gute Leute. Böse Worte fallen. Es geht schlimmer zu, als je in der Weimarer Republik oder im Plenarsaal des Bundestags. Das Publikum wird nervös. Auf gar keinen Fall möchte man jetzt an die letzte Woche da draußen denken und voreilige Vergleiche ziehen zwischen Fünf-Minuten-vor-Dreiunddreißig und heute.
Auf der Bühne der Oper Frankfurt spitzt sich die Lage unterdessen zu. Chaos bricht aus, es kommt zu Handgreiflichkeiten. Diejenigen, die nach einem starken Mann rufen, dem »Diktator«, setzen sich durch. Der Anführer derer, die verzweifelt für den Fortbestand der jungen Demokratie plädieren (hier heißen sie »Republikaner«) wird brutal zusammengeschlagen. Sein Name ist Guercœur, was zweierlei Bedeutung hat. Je nachdem, ob er von »guerre« oder »guere« abgeleitet wird, bezeichnet er einen kämpferischen Gerechten (»Kriegerherz«) oder auch einen irregeleiteten Ungerechten (»Kein Herz«). Wie auch immer: Als Guercœur, Titelheld der Oper, seinen Verletzungen erliegt, stürzt das Parlamentsgebäude ein. Krachend fallen die Deckenbalken herunter, einer nach dem anderen. Sie begraben die Demokratie.

