Gleich zwei Kassandras mischten sich ein in die 57. Tage für neue Kammermusik in Witten. Die eine, weil sie sich um die Zukunft des Festivals sorgt. Denn Patrick Hahn, der für das Programm verantwortliche WDR-Redakteur und künstlerische Leiter, hat gekündigt, schon zum 1. Juli. Die zweite Kassandra sagte gleich das Aussterben der gesamten zeitgenössischen Musik voraus.

Grund: Mitte Mai wird in München über ein Konzept abgestimmt, das der Aufsichtsrat der deutschen GEMA unter dem Druck finanzstarker internationaler Rechteinhaber erarbeitet hat. Es sieht vor, dass bis zu 90 Prozent weniger Ausschüttungen stattfinden sollen für bestimmte eh schon marginalisierte Berufszweige, nämlich Komponisten, Musikverleger, Labeleigner und Ensembles im Low-Profit-Sektor des Genres »E-Musik«. Nicht mehr das Werk steht künftig im Fokus der Tantiemenabrechung, sondern die »Werknutzung«. Gemeint ist mit diesem Begriff, rein inkassomäßig, nur die Aufführungsdichte. Schon jetzt fließt der größte Batzen GEMA-Geld an die erwähnten Globalplayer, die sich in den letzten Jahren die Rechte der international klick- und umsatzstärksten Popstars gesichert haben. Ähnlich wie in der bildenden Kunst ist es in der Digitalwelt inzwischen mit der Musik. Man kann zwar einen Dylansong nicht an die Wand hängen. Aber er ist eine prima Anlage. 


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… lernte Geige und Klavier, studierte Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte über frühe Beethoven-Rezeption. Von 1994 bis 1997 Musikredakteurin der Zeit, von 1997 bis 2018 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seither wieder freelance unterwegs. Seit 2011 ist Büning Vorsitzende der Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik.