Quasi zwei Mini-Festivals im Festival, konzentriert und hochkarätig: Beim Musikfest Berlin sind drei Konzerte dem Schaffen von Isabel Mundry gewidmet, einer der wichtigsten Komponistinnen der Gegenwart. Drei weitere Konzerte präsentieren Musik der weithin unbekannten Amerikanerin Ruth Crawford Seeger, die vor allem in den 1920er Jahren komponierte. Beflügelnde Hörherausforderung! Die sich noch fortsetzt im großen Symphoniekonzert, wenn Joana Mallwitz Gustav Mahler mit Musik von Luigi Nono konfrontiert. Und wem das alles wumpe oder too much ist, der findet Trost bei Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern: elektrisierende Entspannung, Gemütsruhe in Vollpower.


Hört man die 1952 entstandene Suite für Bläserquintett, so bedauert man unweigerlich, dass Ruth Crawford Seeger danach nichts mehr komponieren sollte: So raffiniert unterhaltsam ist dieses Stück, voller Spielwitz, mit melancholischen Episoden. Crawford Seeger starb im Jahr darauf, im Alter von nur 52 Jahren. Seit den frühen 1930er Jahren hatte sie überhaupt nur wenig komponiert, stattdessen sich unter anderem im ethnologischen Sammeln von Volksmusik engagiert – ähnlich wie Béla Bartók. An dessen Klangsprache mag man sich bei diesem oder jenem ihrer früheren Werke auch erinnert fühlen, etwa der Violinsonate von 1926. Harscher Witz steckt darin, aber in einem Mistico, intenso überschriebenen Satz auch elegischer Gesang über schweren dissonanten Akkorden.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com