Veröffentlicht inKommentar

Wie weiter nach 16 Jahren Fidesz?

Fidesz’ Landnahme begann lange vor 2010. Während der ersten Orbán-Regierung wurde neben dem neuen Nationaltheater, dessen Neubau damals heftige Reaktionen auslöste, mit dem Palast der Künste (Müpa) einer der bis heute besten Konzertkomplexe Europas errichtet. Zu dieser Zeit begann auch das großangelegte Sponsoring; gewinnorientierte Organisationen fingen an, Spielstätten, Ensembles und Interpreten zu unterstützen. Eine, wenn […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Mittwochabend am Gral

Alles sollte es sein, bloß keine »Oper«. Und so gab Wagner seinem opus ultimum den krudesten aller Genretitel: Bühnen-weih-fest-spiel. Was das nun soll? – ›Das sagt sich nicht‹, ließe sich Ritter Gurnemanz zitieren, als der reine Tor Parsifal, noch nicht durch Mitleid wissend geworden, fragt, worum es sich bei diesem Gral denn wohl handelt. Irgendwie […]

Veröffentlicht inEssay

Was bleibt

Es begann mit einem Gefühl, nicht im Ohr, sondern im Bauch. Musik war für mich schon immer eine zutiefst körperliche Erfahrung. Wenn ich zuhörte und vor allem, wenn ich selbst spielte, schien der Klang zunächst nur in meinen Ohren zu entstehen, bevor er meinen ganzen Körper bewegte. Es fühlte sich an, als gäbe es im […]

Veröffentlicht inEssay

Die Archäologen der Oper

Im Jahr 2013 stand die Regisseurin und Sopranistin Julia Mintzer in der Wiederaufnahme von Achim Freyers Zauberflöten-Inszenierung an der Semperoper auf der Bühne. Die Produktion sei, so Mintzer, »in drei verdammten Tagen hochgezogen« worden. Am selben Haus, erzählt sie mir, stand die Wiederaufnahme von Ariadne auf Naxos nach nur einer Woche, für La Traviata gönnte […]

Veröffentlicht inMeldung

Drei Millionen Euro für fairere Künstlerhonorare

NRW hat als erstes Flächenland im Januar 2026 verbindliche Honoraruntergrenzen bei der Bezahlung von freischaffenden Künstler:innen eingeführt. Anders als beim Bund gelten diese bereits, sobald das Land mit einem Cent an der Förderung von Projekten beteiligt ist. Damit reagiert NRW auf die erschreckend prekäre Einkommenssituation vieler freiberuflicher Musiker:innen: Deren Brutto-Jahreseinkommen lag laut einer Prognose der […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Nicht schreien!

Am Sonntagmorgen hatte ich im Deutschlandfunk ›Die neue Platte‹ gehört, und die neue Platte war Raphaël Pichons Aufnahme der Johannes-Passion, »pünktlich zum Osterfest«: Der geschätzte Rezensent war sehr angetan, und über Pichons elastisch detailfreudiges und dabei unmittelbar berührendes Musikmachen mit dem sensationellen Chor und Ensemble Pygmalion hatte ich mich auch hier schon gefreut. Am Sonntag […]

Veröffentlicht inInterview

»Kein Musiker war der Überzeugung, dass ich es schaffen würde, ein Klavierstudium anzugehen.«

»Ich würde mich als genre- und stilübergreifender Allround-Musiker, Komponisten und Produzenten bezeichnen«, stellt sich Mert-Abdullah Çapan vor, als ich ihn am Rande eines Kongresses des Deutschen Musikrats kennenlerne. »Ich lege einen Schwerpunkt auf das klassische Klavier, bin aber auch multikulturell tätig – ich haben einen türkischen Migrationshintergrund«, erklärt er, »und ich habe eine hochgradige Sehbehinderung […]

Veröffentlicht inHundert 11

Besoffen durch Raum und Zeit

Auch in einer Stadt wie dem schönen, beschaulichen, schwierigen Görlitz schieben sich Räume und Zeiten ineinander, dass man ins Träumen und Schwindeln geraten kann. Prächtig wiederhergestellte Herrlichkeiten von Gotik bis Jugendstil liegen hier neben spürbaren Lücken und Tücken politischer Gegenwart, erneuertes Wundern neben alten Wunden; und entdeckt der Besucher dieser großartigen kleinen Stadt in der […]

Veröffentlicht inKritik

Auftakt des Mozart-›Ring‹

Wagners Ring kann man wie Mozart spielen – und das sollte man vielleicht auch. Das ist die Lektion dieses Rheingold mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, inszeniert von Kirill Serebrennikov, das gestern bei den Salzburger Osterfestspielen Premiere hatte.  Es war eine höchst kammermusikalische Aufführung. Die Ouvertüre wird oft als Ursuppe serviert, was inhaltlich legitim […]

Veröffentlicht inKritik

Schwingende Saiten, Stimmakrobatik und weißes Rauschen

Die St. Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte ist ein klassizistischer Bau, den kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel in den 1830er Jahren konzipiert hat. Heute ist die Kirche längst entweiht, sie brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde nicht historisch rekonstruiert. Rohe, unverputzte Wände schaffen heute in der klaren Architektur eine puristische Atmosphäre für einen auratischen Kulturort, […]

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