Wenige Einzelpersonen haben die Kammermusiklandschaft so geprägt wie der österreichische Geiger Günter Pichler – als Gründer und jahrzehntelanger Primarius des legendären Alban Berg Quartetts sowie als Lehrer und Mentor ganzer Ensemblegenerationen. Vergangenen Freitag starb Pichler bei einem Autounfall im Alter von 85 Jahren. In VAN erinnern sich acht ›seiner‹ Quartette an den Menschen, Musiker und Lehrer.


Aris Quartett

Wir haben Günter Pichler an der Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid kennengelernt. Er hatte uns selbst kontaktiert — typisch für einen Menschen, der wenig dem Zufall überließ und sich die jungen Quartette, die ihn interessierten, gezielt über Empfehlungen, Wettbewerbe und Kurse heraussuchte. Im Oktober 2015 reisten wir das erste Mal zu ihm, durchaus aufgeregt: sein Renommee als Primarius des Alban Berg Quartetts, dazu der strenge Ruf, der ihm vorauseilte. Vom ersten Moment an beeindruckte uns aber nicht nur sein künstlerisches Wissen, sondern vor allem seine Arbeitsweise. Kunst war für ihn nie etwas rein Intellektuelles oder Abgehobenes — Musik betrachtete er immer auch pragmatisch und äußerst effizient. Etwas musste am Ende auf der Bühne funktionieren, im Konzert. Das hat uns als jungem Quartett enorm weitergeholfen. Nach jedem Unterricht hatten wir das Gefühl, ein Stück besser geworden zu sein. Er konnte streng und aufbrausend sein, war dabei aber immer fair und vor allem ehrlich — eine Eigenschaft, die in unserer Branche nicht selbstverständlich ist.


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