Man kann es nicht anders sagen: Witten ist ein Wanderpokal. Seit Harry Vogt sich in den Ruhestand verabschiedet hat, regiert hier das Comme çi, comme ça. Haben sich die Zeiten geändert? Ja, klar, die Kunst hat es in Zeiten des Krieges mal wieder schwerer denn je. Dass ausgerechnet die fragile Luftkunst Musik besondere Verteidiger und Erinnerer braucht, ist auch schon längstens bekannt.
Vogt schaute in diesem Jahr zum ersten Mal wieder persönlich vorbei. Kam zum Zuhören in einige der Festival-Konzerte, sprach mit diesem oder jenem Musiker. Das hat den Phantomschmerz im sichtlich schütter gewordenen Spezialpublikum aus aller Welt allerdings nur verstärkt. Harry fehlt. Sein verbindlicher Weitblick, seine riskanten Ideen und vor allem die lang nachdieselnden Musikprogramme, mit denen dieser WDR-Redakteur im Lauf von mehr als dreißig Jahren eine Schule des Hörens entwickelte in der weitläufigen Kleinstadt, in der schon nachmittags die Bürgersteige hochgeklappt und Züge, die wegfahren, auf dem Bahnhof gar nicht mehr angezeigt werden. Witten an der Ruhr ist einer der wichtigsten Hotspots für zeitgenössische Musik geworden. Nicht zu vergessen: Vogts Vorgänger war Witten-Begründer Wilfried Brennecke. Das sind schon gewaltige Fußstapfen.

