Veröffentlicht inHundert 11

Teuflischer Tritonus, engelsgleiche Gebärde

»Als wären aus den Spitälern (…) alle Kranken in einem Graben beisammen, ein solcher Jammer war da, und ein solcher Gestank war da wie von verfaulenden Gliedern«, heißt es (übersetzt von Kurt Flasch) im 29. Gesang des Inferno, wo Dante im zehnten Höllenkreis die Geister von Fälschern »in seltsamen Bündeln dahinsiechen« lässt. Unbehagliches Terrain, allerdings […]

Veröffentlicht inHundert 11

Zertrümmert liegt, was je sie getrennt

Zwei Monate vor der Premiere einer neuen Walküre an der Bayerischen Staatsoper läuft in Berlin ein erster Aufzug mit teilweise gleicher Besetzung. Trotz der Schnittmenge ist das mehr als ein partieller Testdurchgang: erstens, weil musikalisch lohnend konzertant, zweitens, weil dramaturgisch lohnend kombiniert mit – na hoppla – Brahms. Das ist verblüffend, ja irritierend, in seinem […]

Veröffentlicht inInterview

»Ich kann nicht sagen: ›Ja, das Stück hat schon mein Opa im Radio gehört.‹« 

In einer Airbnb-Wohnung irgendwo in Zürich hat ein gutgelaunter 38-jähriger sein Smartphone fürs Zoomtreffen auf den Tisch gestellt, ein breitschultriger, bärtiger Typ im weißen T-Shirt, mit kurzen schwarzen Haaren und großem Lächeln. Es ist Pene Pati, Titelheld in der neuen Zürcher Produktion von Mozarts später Oper ›La clemenza di Tito‹. Vor einem knappen Jahrzehnt erst […]

Veröffentlicht inInterview

Ein gegenseitiges Umarmen  

Als die Staatskapelle Dresden im Oktober 2000 beim Beethovenfest in Bonn gastiert, zeigt das Akademische Kunstmuseum parallel eine Sonderausstellung ihres Chefdirigenten: ›Meisterwerke griechischer Keramik aus der Sammlung Giuseppe Sinopoli‹. Wer ein Porträt über Giuseppe Sinopoli schreiben möchte, steckt unwillkürlich in der Bredouille: Wie findet man einen Weg durch dessen labyrinthische Interessen und Begabungen? 1946 in Ve­ne­dig […]

Veröffentlicht inKommentar

Wie weiter nach 16 Jahren Fidesz?

Fidesz’ Landnahme begann lange vor 2010. Während der ersten Orbán-Regierung wurde neben dem neuen Nationaltheater, dessen Neubau damals heftige Reaktionen auslöste, mit dem Palast der Künste (Müpa) einer der bis heute besten Konzertkomplexe Europas errichtet. Zu dieser Zeit begann auch das großangelegte Sponsoring; gewinnorientierte Organisationen fingen an, Spielstätten, Ensembles und Interpreten zu unterstützen. Eine, wenn […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Mittwochabend am Gral

Alles sollte es sein, bloß keine »Oper«. Und so gab Wagner seinem opus ultimum den krudesten aller Genretitel: Bühnen-weih-fest-spiel. Was das nun soll? – ›Das sagt sich nicht‹, ließe sich Ritter Gurnemanz zitieren, als der reine Tor Parsifal, noch nicht durch Mitleid wissend geworden, fragt, worum es sich bei diesem Gral denn wohl handelt. Irgendwie […]

Veröffentlicht inEssay

Was bleibt

Es begann mit einem Gefühl, nicht im Ohr, sondern im Bauch. Musik war für mich schon immer eine zutiefst körperliche Erfahrung. Wenn ich zuhörte und vor allem, wenn ich selbst spielte, schien der Klang zunächst nur in meinen Ohren zu entstehen, bevor er meinen ganzen Körper bewegte. Es fühlte sich an, als gäbe es im […]

Veröffentlicht inEssay

Die Archäologen der Oper

Im Jahr 2013 stand die Regisseurin und Sopranistin Julia Mintzer in der Wiederaufnahme von Achim Freyers Zauberflöten-Inszenierung an der Semperoper auf der Bühne. Die Produktion sei, so Mintzer, »in drei verdammten Tagen hochgezogen« worden. Am selben Haus, erzählt sie mir, stand die Wiederaufnahme von Ariadne auf Naxos nach nur einer Woche, für La Traviata gönnte […]

Veröffentlicht inMeldung

Drei Millionen Euro für fairere Künstlerhonorare

NRW hat als erstes Flächenland im Januar 2026 verbindliche Honoraruntergrenzen bei der Bezahlung von freischaffenden Künstler:innen eingeführt. Anders als beim Bund gelten diese bereits, sobald das Land mit einem Cent an der Förderung von Projekten beteiligt ist. Damit reagiert NRW auf die erschreckend prekäre Einkommenssituation vieler freiberuflicher Musiker:innen: Deren Brutto-Jahreseinkommen lag laut einer Prognose der […]

Veröffentlicht inThe Society of Music

Nicht schreien!

Am Sonntagmorgen hatte ich im Deutschlandfunk ›Die neue Platte‹ gehört, und die neue Platte war Raphaël Pichons Aufnahme der Johannes-Passion, »pünktlich zum Osterfest«: Der geschätzte Rezensent war sehr angetan, und über Pichons elastisch detailfreudiges und dabei unmittelbar berührendes Musikmachen mit dem sensationellen Chor und Ensemble Pygmalion hatte ich mich auch hier schon gefreut. Am Sonntag […]

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