So wie jedes Konzert mit Herbert Blomstedt eine tollkühne Herausforderung aller Gesetze der Zeitlichkeit ist, so stellt jeder Klavierabend mit Grigory Sokolov die Auflösung aller Zeit im Ritual dar. Der Vorgang wiederholt sich wie Weihnachten und Ostern Jahr für Jahr, jedes Mal von Neuem, aber immer gleich: dieselbe Jahreszeit, zu der Sokolov alljährlich an seiner Spielstätte erscheint, das Hereinkommen und Hinausgehen im gedimmten Licht, die sechsmalige Wiederkehr zu den stets sechs Zugaben. Doch dieser Vollzug ist nicht, wie in Cees Nootebooms berühmtem Roman Rituale, einer der Absage ans Leben, sondern einer der Lebensbejahung. Auch das alljährliche Dabeisein als Hörer.


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… lebt in Berlin, liebt Musik, schreibt Romane: u.a. ›Beethovn‹ (2020). Zuletzt erschien ›Silence‹. ✉️ KonzertgaengerBerlin@gmail.com